Vom guten Vorsatz zum realen Umsatz
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| | von Judith Stephan

Vom guten Vorsatz zum realen Umsatz

Gut hineingekommen, ins neue Jahr? Ich frage nicht, mit welchen guten Vorsätzen, mich interessiert nur, was sie davon bereits umgesetzt haben. Die meisten Menschen sind bereit, ihre Ansprüche zu senken, wenn sie damit vor Wände laufen. Und weil das oft passiert, bis wir erwachsen sind, sind die Ansprüche meistens sehr, sehr niedrig, gemessen an den Möglichkeiten.

Der Junge wollte noch zum Mars fliegen, bereits der Jugendliche bereitet sich innerlich auf die Banklehre vor. Das Mädchen Wimbledon gewinnen wie Steffi Graf, bereits die junge Frau hat mit Sport wenig am Hut und büffelt Jura an der Feld-Wald-und-Wiesen-Uni. Und wenn Sie sie darauf ansprechen, wie sie nun Astronaut oder Tennisprofi werden wollen, ernten Sie nur ein Stirnrunzeln. War da noch was? Warum fragen Sie das jetzt? Was hat das mit mir zu tun? Es ist erschreckend, wie groß unsere Potenziale sind und wie wenig davon wir leben.

Beileibe habe ich nichts gegen Banker, Studierende oder Juristen, bitte legen Sie mir das nicht falsch aus. Wenn sich ein Mensch leidenschaftlich gerne wünscht, Banker zu werden, die Hand am Puls der Geldströme dieser Welt zu haben, jungen Unternehmern zu helfen, auf die Füße zu kommen, Familien das eigene Dach über den Köpfen zu ermöglichen, die Wirtschaft am Kreiseln zu halten – ja, dann sage ich: Vorwärts! Werde Banker! Wenn eine die Heldin des Gerichtssaals werden will, unschuldige Menschen aus der Zwickmühle hauen, solide Unternehmen vor perfidem Betrug schützen, das Recht und den Souverän und die Ehre verteidigen, für die Stabilität des Gemeinwesens sorgen will, dann sage ich: Mach’s! Werde Anwalt oder Richter!

Nur leider: Wenn ich mich so umschaue, habe ich höchst selten das Gefühl, dass die Banker, Anwälte und wir alle das tun, was wir tun, weil unsere Ansprüche so hoch sind. Ich glaube eher, dass die meisten von uns die Ansprüche angesichts der Schwierigkeiten, die sich uns entgegenstellen, so stark gesenkt haben, dass sie sich dreinfügen und eben Banker oder Jurist werden, eine Mischung aus mittelmäßigen Ambitionen, Weg des geringsten Widerstands und schierer Hilflosigkeit.

Und ich glaube, die meisten von uns versuchen es auch gar nicht! Mag ja sein, dass es nicht geklappt hätte, aber ein Versuch! Versuchen muss man es, mehr als ein Mal. Das Unmögliche ist das, was man nie versucht hat. Doch wir haben gelernt, Kompromisse zu machen, das ist unser Versteck. Und wenn Sie sagen, Sie haben es für Ihre Verhältnisse doch schon ganz passabel weit geschafft, wenn Sie realistisch bleiben, dann ist das immer noch eine Ausrede, nur auf hohem Niveau. Das Unrealistische zu versuchen, damit dürfen Sie nie aufhören.

Es ist nämlich oft leichter, das Unrealistische zu erreichen, als das Realistische. 99 Prozent der Menschen auf dieser Welt glauben nicht daran, dass sie in der Lage sind, etwas Großes zu vollbringen, und streben nur nach dem Mittelmaß. Folglich ist gerade bei den realistischen Zielen der Wettbewerb am schärfsten. Deshalb ist es paradoxerweise besonders zeit- und energieaufwändig, solche vermeintlich einfachen oder normalen Ziele zu erreichen. Es ist beispielsweise heute in einer Bar leichter, die seltene, perfekte 10-Punkte-Traumfrau anzusprechen, als eine der vielen 6-Punkte-Frauen, um die die meisten Männer herumscharwenzeln, weil sie sich mehr nicht zutrauen. Das gleiche gilt auch für den Rest der Welt, Ihre beruflichen Ambitionen zum Beispiel.

Kontakt: www.hermannscherer.com

Hermann Scherer, geboren 1964 in Moosburg an der Isar, ist Autor, Redner und Business-Experte. Inzwischen lebt der Einzelhandelskaufmann, Betriebswirt und Trainer in Zürich, - wenn er nicht gerade durch Deutschland tourt:

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