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Lena Herrmann veröffentlicht am 10.02.2011 12:47 Uhr in Blog
Von: Lena Herrmann

Amir Kassaei: Der größte Kreative aller Zeiten oder Schuld am Niedergang von DDB?

Amir Kassaei hat das erreicht, was er immer wollte: Er übernimmt den kreativen Chefposten von DDB auf weltweiter Ebene. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich. Der eine Teil der Kreativbranche gratuliert ihm und nett ihn hymnisch den "Gott" der Werbung. Andere - meist DDB-Nahe - werfen ihm vor, er hinterlasse den Berliner DDB-Standort als Scherbenhaufen. Was ist wirklich dran und welche Fraktion hat eigentlich Recht?

Unbestritten sind die Leistungen, die Kassaei im Laufe seiner Karriere erbracht hat. Unzählige Löwen gehen auf sein Konto, die Auszeichnung zum weltweit besten Chief Creative Officer 2009 im Rahmen des "Big Won Report" honorieren das. Als ADC-Vorstandssprecher hat er mit ungewöhnlichen Ideen und Initiativen auf sich und das Verständnis von Kreativität und Kreation aufmerksam gemacht. Er gilt als streitbarer Geist - was einer Branche, die viel von Selbstbeweihräucherung lebt, durchaus gut tun kann.

Aber wenn Kassaei nach New York zieht, dann hinterlässt er am Berliner Standort auch eine Agentur, die vor rund eineinhalb Jahren ihren Höhepunkt hatte und jetzt in der Branche verstärkt als Agentur auf dem absteigenden Ast wahrgenommen wird. Neugeschäft gab es schön längere Zeit nicht mehr. Und das Bestandsgeschäft schrumpft merklich. So muss DDB Teile des VW-Kuchens ebenso abgeben wie die Reduzierung des Deutsche Bahn-Etats oder den Abschied des Energiekunden Entega.

Dazu kommt die Flucht der Kreativen. Auch wenn Kassaei betont, DDB habe sich ganz bewusst von denen getrennt, die für die Agentur nicht mehr passend waren, so ist doch in der Gruppe der ehemaligen DDB-Kreativen immer wieder zu hören, man habe die Agentur freiwillig verlassen. Die Kultur bei DDB habe sich extrem verschlechtert, klagen die Betroffenen. Die bekannten Namen, die im Zuge der Neuaufstellung der Agentur gehen mussten oder freiwillig gegangen sind, sind dagegen inzwischen alle in Führungspositionen bei namhaften Agenturen untergekommen: Bert Peulecke und Stefan Schulte leiten beispielsweise Kempertrautmann Berlin, Tim Stübane und Birgit van den Valentyn führen Ogilvy & Mather Berlin, Axel Tischer und Gen Sadakane haben im Hauptstadtbüro von Leo Burnett angeheuert, Kristoffer Heilemann ist bei BBDO in Düsseldorf mittlerweile an Bord.

Zusätzlich wollen sich die die Früchte der Umstellung gen DDB Tribal Group noch nicht sichtbar einstellen. Das deutsche Management mit Eric Schoeffler, Alina Kessel und Peter Gravier sitzt aufgeteilt an verschiedenen Standorten, sie sollen gemeinsam die Agentur wieder auf Kurs bringen, deren personelle Demontage im Frühsommer 2010 begonnen hat. Keine leichte Aufgabe...

Schlagworte: Amir Kassaei DDB

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