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Anja Janotta veröffentlicht am 02.03.2010 12:24 Uhr in Blog
Von: Anja Janotta

Bunte-Gate: Was dürfen die Medien mit Politikern machen?

Im Skandal um die mutmaßlichen Bespitzelungen deutscher Spitzenpolitiker durch die "Bunte" fordert nun Grünen-Chefin Renate Künast in einem Brief eine öffentliche Entschuldigung von Verleger Hubert Burda. "Bunte"-Chefin Patricia Riekel sei verantwortlich zu machen, was ihre Auftragnehmer getan hätten, da der Auftrag gegen den Grundsatz "Privat ist, was beruflich keine Relevanz besitzt" verstoßen habe.

Richtiger Ansatz, falsches Argument.

Ein Politiker ist eine Person der Zeitgeschichte - und damit ebenso prominent wie beispielsweise Caroline von Monaco, Paris Hilton oder Verona Pooth. Und damit ist auch Privates nicht mehr ganz so privat wie es für einen Normalbürger wie uns wäre. Denn auf der anderen Seite wird das Privatleben, da wo es dem öffentlichen Bild des Politikers nutzt, ja ebenso medial ausgebreitet: in Wahlprospekten, auf Websites und Home-Stories in bunten Blättern. Schon in der damaligen Diskussion um die Berichterstattung zur Geliebten von Horst Seehofer wurde argumentiert, dass das Private ja nichts mit der beruflichen Leistung oder Fehlleistung eines Politikers zu tun habe und deshalb darüber nicht berichtet werden dürfe. Gegenargument: Wollte die "Bunte" wöchentlich allein nur über die berufliche Leistung von Verona Pooth oder Paris Hilton berichten, wäre sie eben nicht mehr "bunt", sondern ganz schön dröge.

Die Empörung von Frau Künast jedoch ist absolut richtig: Denn derartige Spitzel-Methoden sollten generell verboten sein. Wenn die Medien aber den Politikern und ihrem Privatleben keinen Sonderstatus mehr zubilligen, sondern sie wie jeden anderen Prominenten auch behandelten, hätten wir eine durchaus bessere Chance auf strengere Pressegesetze, die solcherlei Methoden auch rechtlich unterbinden - und nicht nur ethisch-moralisch ahnden.

Schlagworte: Bunte-Gate Renate Künast Patricia Riekel

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