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Conrad Breyer veröffentlicht am 24.06.2010 12:44 Uhr in Blog
Von: Conrad Breyer

Cannes 2010: Festivalleitung muss besser prüfen

Scams, Fakes, Goldideen. Jedes Jahr, immer wieder. Die Debatte in Cannes findet jeden Juni statt. Um beim größten Kreativfestival der Welt einzureichen, muss eine Arbeit zumindest einmal geschaltet worden sein. Die Scrabble-Kampagne von Ogilvy Mexico, die fast den Grand Prix in der Kategorie Press gewonnen hätte, hat dieses Kriterium übererfüllt. Die drei Anzeigen waren der Jury schon 2009 zur Bewertung vorgelegt worden. Fast hätte es niemand gemerkt, das ist peinlich. Und muss die Festivalleitung auf den Plan rufen.

Die Jury trifft keine Schuld. Wer muss feststellen, was Fake ist und was nicht? Ist es die Aufgabe der Jury, oder die der Festivalleitung? Britta Poetzsch, Kreativchefin von McCann Erickson, hat Deutschland in der Press-Jury vertreten. Sie hat recht, wenn sie sagt: "Wir vertrauen bei unserer Arbeit darauf, dass alle Kampagnen korrekt eingereicht worden sind." Die Zeit, alle Einsendungen zu prüfen, hat die Jury nicht. Allein 2010 waren es 4820 Einsendungen. Die Kreativen wollen sich auf die Arbeiten selbst konzentieren, "die Ideen, die Exekution", sagt Poetzsch.

Tatsächlich ist hier die Festivalleitung gefragt. Agenturen auf der ganzen Welt geben Jahr für Jahr viel Geld dafür aus, in Cannes einzureichen. Und jedes Jahr kommen neue Kategorien hinzu, Cannes ist eine Geldmaschine. Und warum auch nicht? Am Ende winken für gute Arbeiten Löwen, die höchste Auszeichnung, die ein Kreativer sich jemals erarbeiten kann.

Diese Agenturen müssen sich darauf verlassen können, dass die Jurys in Cannes nur echte Arbeiten auszeichnen. Sie wollen sich messen, sie wollen ihre Relevanz im Markt spüren, das gebührt der Respekt. Auch die Kunden wollen schließlich wissen, mit wem sie zusammenarbeiten. Ohnehin werden schon Jahr für Jahr genügend Goldideen ausgelobt. Wenn dazu noch echte Fakes wie die Arbeit von Ogilvy Mexico durchkommen, wird das Kreativfestival zur Farce, hohl und substanzlos.

Die Festivalleitung hat ihren Fehler immerhin anerkannt, aber wird sie reagieren? Wird sie im Vorfeld besser prüfen? Noch haben sich die Veranstalter dazu nicht geäußert. Cannes-Kenner aber sind kritisch.

Schlagworte: Cannes Lions Grand Prix Press Britta Poetzsch Ogilvy Mexico

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