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Petra Schwegler veröffentlicht am 30.09.2010 16:00 Uhr in Blog
Von: Petra Schwegler

Das ZDF zeigt den Privaten die Nase

Das Entsetzen der Privat-TV-Branche dürfte wieder einmal groß sein. Anlass: Das ZDF überlegt, zusammen mit der Allianz der Produzenten eine kommerzielle Video-on-Demand-Plattform ins Netz zu bringen. Produktionen des Zweiten und anderer Partner gegen Entgelt abrufbar. Die praktische Ausführung soll bei der ZDF-Tochter Enterprises liegen. So sieht der Plan aus. Nur: Er kommt zu einer Zeit, in der die privaten Senderfamilien ProSiebenSat.1 und RTL an einer ebensolchen Web-Plattform arbeiten. Mit einer gemeinsamen Firma, die die TV-Seite betreibt samt offenem Zugang für alle Sender. Somit dürfte das gebührenfinanzierte ZDF aus ihrer Sicht erneut den Wettbewerb verzerren, bevor er überhaupt entsteht.

Ein anderes Bild bietet sich, ergreift man Position für die Produzenten. Hinter vorgehaltener Hand beklagen die TV-Kreativschmieden seit Jahren ihren schleichenden Niedergang. Die privaten Sender würden immer weniger bezahlen, ist wiederholt zu hören. Der finanzielle Druck nehme zu. Die Gründung der Produzentenallianz an sich ist schon Ausdruck des Versuchs, dem Geschäftszweig mehr Stimme und Gewicht zu verleihen.

Die Produzenten reagieren auf der Suche nach Erlösen mit neuen Geschäftsfeldern, mit Expansion ins Ausland oder auch mit einem Run auf jeden öffentlich-rechtlichen Sendeplatz, der sich auftut - letzte Rettung ARD und ZDF! Es entsteht der Eindruck, dass die kommerziellen Sender die Produzenten geradezu in die Arme der Öffentlich-Rechtlichen treiben.

Und nun eben eine VoD-Plattform, mit der der finanzstarke Produzenten-Freund ZDF die Kreativen lockt. Allein schon die Überlegung, dass das Vorhaben von der Tochterfirma ZDF Enterprises abgewickelt wird, ist pikant. Die Vorgabe dafür kommt aus Brüssel. Sie besagt, dass Kommerzielles bei ARD und ZDF klar vom öffentlich-rechtlichen Auftrag getrennt und bei Töchtern angesiedelt sein muss.

Es gibt diese Regelung, weil einst der deutsche Privatfunk und sein Verband VPRT vor die EU-Kommission gezogen sind, um die wirtschaftliche Schieflage zwischen Gebührenfinanziertem und Kommerziellem zu entschärfen. Seither ist es im Kern rechtens, dass Tochterfirmen von ARD und ZDF in den Wettbewerb eingreifen - moralisch sicher fragwürdig, aber Schwarz auf Weiß fixiert. Kommt die VoD-Offerte, zeigt das ZDF dem privaten Fernsehen wieder einmal die Nase.

Schlagworte: Video-on-Demand Produzentenallianz Produzenten ARD ZDF VPRT RTL ProSiebenSat.1

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