veröffentlicht am 18.05.2010 11:27 Uhr in
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Von: Thomas Nötting
Der Westen: Die Logik der Zeitungsseite
Die WAZ-Mediengruppe hat im Westen neue Seiten aufgezogen. Seit Montagnacht ist der Relaunch des Regionalportals online. Hinter dem Umbau steckt jedoch mehr als eine branchenübliche Überarbeitung von Optik und Struktur. Es ist eine Art Kulturwandel.
Die neue Startseite trägt die Handschrift von Ulrich Reitz. Der ranghöchste Journalist des Essener Medienhauses – Chefredakteur des wichtigsten Titels „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ und Architekt des Essener Content-Desks – hat Anfang des Jahres die zu Spiegel Online abgewanderte Gründungschefredakteurin Katharina Borchert abgelöst. Überspitzt könnte man sagen: Die neue Westen-Startseite ist der Versuch, die Logik einer Zeitungsseite ins Web zu übertragen.
Positiv formuliert: Die Seite ist jetzt aufgeräumter und klarer geordnet. Die wichtigsten Themen laufen im Fünf-Sekundenabstand in der neuen Aufmacherbox. Ein sinnvolles Instrument, um Vielfalt auf den Schirm zu bringen, ohne Übersichtlichkeit zu opfern. Für mehr Struktur sorgt auch die eigens für Regional-Themen reservierte Spalte. Es soll den Charakter des Westens als Regionalportal unterstreichen. In der Print-Welt würde man von Leserführung sprechen.
Doch wollen oder müssen Leser im Internet überhaupt geführt werden? Funktioniert das Medium nicht längst nach anderen Regeln? Die User finden im Web 2.0 über viele Pfade zu den Themen, die sie interessieren. Über technische Wege wie Suchmaschinen oder RSS-Feeds, über soziale Verbindungen wie Twitter oder Facebook. An welchen Orten der User-Schwarm schließlich landet, ist für viele Online-Redaktionen nach wie vor überraschend und unkalkulierbar.
Der Westen gehörte bei seinem Start zu den Regionalportalen, die diese Mechanik am besten verstanden und umsetzen. Daran soll sich laut Verlag grundsätzlich auch nichts ändern. So sollte man den Relaunch weniger an der renovierten Fassade messen, sondern an dem, was sich dahinter abspielt. Zum Beispiel an der Ankündigung, dass die Community-Strategie mit unveränderter Kraft weiterverfolgt wird.
Auch die Hervorhebung der lokalen und regionalen Themen ist grundsätzlich sinnvoll und logisch für ein Portal wie der Westen.de. Aber sie schürt auch eine Erwartungshaltung. Die neue Rubrik „Unsere Region“ schiebt Geschichten aus Rhein und Ruhr nach vorne auf die Bühne. Und dort müssen nun verstärkt die Lokalredaktionen vor Ort in einer neuen Schlüsselrolle auftreten. Die dortigen Redakteure sollen nicht nur für ihre Zeitungen, sondern auch verstärkt fürs Netz schreiben. Ob diese Kapazitäten aber tatsächlich da sind, bezweifeln viele.
Ein gelungener Relaunch? Das wird man erst in einigen Wochen sagen können. Die Optik mag gewonnen haben. Entscheiden werden aber die Inhalte. Und die User.
Schlagworte: DerWesten Ulrich Reitz WAZ-Mediengruppe
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