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Petra Schwegler veröffentlicht am 10.11.2011 11:45 Uhr in Blog
Von: Petra Schwegler

DFL eröffnet die Spiele: Preistreiberei oder kluges Kalkül?

Same procedure as last time – das ist der erste Gedanke, der einem durch den Kopf schießt, wenn man die aktuellen Meldungen zur neuen Rechterunde in Sachen Bundesliga liest. Wie beim letzten Mal im Jahr 2008, plant der Dachverband DFL mal wieder in einer Variante ohne den Free-TV-Klassiker ARD-"Sportschau“ - und stellt ein Abwandern der Rechte ins Internet und ins mobile TV in Aussicht. Wenig verwundert, dass die Tagespresse Preistreiberei hinter der DFL-Ankündigung vermutet. Das hat in der Vergangenheit sicher so gegolten und mag auch künftig so sein, wenn es beim Verkauf der 23 Rechtepakete zum "Klassik-Szenario“ kommt. Eine Variante, die sich von der bestehenden - Sky (Pay-TV), ARD, ZDF (Free-TV), Telekom (IPTV) und Sport 1 (Free-TV) – nur wenig unterscheiden dürfte. Die aber der DFL auch nur dann mehr als 412 Millionen Euro pro Saison einbringt, wenn alle Partner mehr bezahlen (..wie es einst Leo Kirch vorhatte und 500 Millionen Euro für das Gesamtpaket geboten hat).

Doch ist es wirklich Preistreiberei, wenn es zu einem Szenario kommt, das DFL-Chef Christian Seifert "Neue Medien“ nennt? Hier dürfte das frei empfangbare Fernsehen samstags erst von 21.45 Uhr an über die Bundesliga berichten - also ohne "Sportschau". " Ersetzt würde die Berichterstattung am frühen Abend durch eine Art Online-"Sportschau". Die DFL will hier auf Web-TV oder Mobile-TV setzen. Dieses Szenario würde auch das "Sportstudio" im ZDF aufwerten - und würde vor allem der Pay-TV-Plattform Sky Deutschland deutlich mehr Exklusivität bringen.

Ein sehr wichtiger Punkt: Sky ist der größte Geldgeber im Rechtespiel mit rund 225 Millionen Euro pro Saison. Die ARD kommt "nur“ auf rund 100 Millionen Euro. Sky ist aber ein Wackelkandidat und hat nach wie vor mit roten Zahlen zu kämpfen. Würde Haupteigner Rupert Murdoch die Geduld verlieren und Sky ausknipsen – die DFL würde einen immens wichtigen Abnehmer verlieren. Sky macht unter CEO Brian Sullivan gute Fortschritte und hat dieses Jahr schon mehr als 200.000 neue Abonnenten gewonnen. Diesen Aufschwung könnte das Zugpferd Bundesliga durch noch mehr Exklusivität durchaus verstärken, mehr Abos bedeuten Stabilität. Damit würde sich die DFL auf Dauer einen wichtigen Abnehmer sichern - die gebührengestärkte ARD wäre ohne "Sportschau" nicht in ihrer Existenz gefährdet.

Von Sky selbst wird erwartet, dass das Unternehmen dieses Mal auch die IPTV-Rechte kaufen will, die aktuell die Telekom innehat und in Liga Total steckt. Diese lästige Konkurrenz dürfte Sullivan loswerden wollen. Außerdem gibt er selbst mit mobilen TV-Angeboten bei Sky kräftig Gas.

In dieser Variante kann man der DFL aber nur bedingt Preistreiberei vorwerfen – eher kluges Kalkül. Sky würde langfristig als Partner gesichert. Die AG würde (gerne) mehr bezahlen, weil auch der Bereich IPTV abgedeckt wird. Die 100 Millionen Euro, die aus den Kassen der ARD dann fehlen würden, könnten durch einen Zusatz-Obulus von Sky und weitere Internet- und auch TV-Rechte gedeckt werden. Hier kommen andere Bewerber ins Spiel, denen ein Interesse nachgesagt wird - wie etwa ProSiebenSat.1 oder gar erneut Kirchs Firma KF15, mit der sein Statthalter Dieter Hahn schon einmal mit einem Bundesliga-Vorhaben gescheitert ist.

Schlagworte: DFL Seifert Bundesliga Sportschau Sky ARD

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