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Klaus Wieking veröffentlicht am 25.06.2010 13:18 Uhr in Blog
Von: Klaus Wieking

Die Arroganz einer Branche

Die Commerzbank hat die Dresdner Bank übernommen und wirbt in diesen Tagen mit neuem Corporate Design und neuem Claim. „Gemeinsam mehr erreichen“ lautet der und wirft eine Menge Fragen auf.

Gemeinsam? Immerhin verschwindet die Traditionsmarke Dresdner Bank auf Nimmerwiedersehen im Orkus. Erreichen? Was zu beweisen wäre. Der Allianz-Konzern quälte sich jahrelang damit ab, die Dresdner zu integrieren und reichte die Bank schließlich entnervt an die Commerzbank weiter – eine weitere, viele Millionen teureTraumhochzeit in der deutschen Wirtschaft, die sich als Alptraum entpuppte. Die anschließende Übernahme der Dresdner durch die Commerzbank gelang nur, weil der von ihnen verachtete Staat mitten in der Finanzkrise den Nieten in Nadelstreifen mit Milliardenkrediten zur Seite sprang.

commerbank250

All das interessiert die Markenführer bei der Commerzbank und die Werbeagentur Kempertrautmann nicht, nicht der Bankencrash, nicht die Finanzkrise, nicht das Beinahe-Desaster bei der Übernahme und die Millionen enttäuschter und getäuschter Kunden schon gar nicht. Es wird weiter drauflos geworben, als sei die Finanzwelt so heil und integer wie vor der Lehman-Pleite. „Die Bildwelt strahlt Nähe ebenso wie Zuversicht und Lebensfreude aus. So machen wir die Marke auch emotional erlebbar“, dichtet Uwe Hellmann, Leiter Markenführung der Commerzbank, in schönster Marketinglyrik.

Was einen hier anstrahlt, ist die Arroganz einer Branche, die die Wirklichkeit nicht wahrnehmen will oder unfähig dazu ist, was einen emotional bewegt ist Wut, die schnell in bittere Belustigung übergeht angesichts von soviel Blindheit. Für Hellmann mag die Terrakottaarmee aus Businesssuits tragenden Finanzmenschen, die vor der Glitzer-Skyline von Frankfurt aufgezogen ist ­- das aktuelle Hauptmotiv der Kampagne – sympathisch und vertrauenserweckend wirken, für den Betrachter außerhalb des Finanzdistrikts sieht sie eher wie eine Ansammlung seelenloser Finanzhaie aus, deren Grinsen nur unzulänglich ihren Zynismus verbirgt. Oder wie ein Werbeplakat für den Film „Alien 5 – das Grauen kehrt zurück“.

Die Banken haben ihr wichtigstes Kapital verjuxt, das Vertrauen ihrer Kunden. Das müssen sie zurückgewinnen, langsam und mühevoll. Mit einem Service, der dem Kunden und nicht den eigenen Interessen dient. Mit Finanzprodukten, die der Kunde versteht und die ihn nicht ruinieren. Mit einer Kommunikation, die die Kunden ernst nimmt und nicht verhöhnt.

Schlagworte: Commerzbank Kempertrautmann Bankenwerbung

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