veröffentlicht am 30.06.2010 10:30 Uhr in
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Von: Ralph-Bernhard Pfister
Die Öffentlich-Rechtlichen, der geliebte Feind
Verleger sind halt doch Traditionalisten: Die Reaktionen von BDZV, VDZ und VPRT auf die vergangene Woche abgeschlossenen Drei-Stufen-Tests bei den öffentlich-rechtlichen Internet-Angeboten sind so vorhersehbar wie überzogen.
Für den Privatfunkverband VPRT kann es unmöglich stimmen, dass die jetzt genehmigten Telemedienangebote keine signifikanten Marktauswirkungen hätten. Die VDZ-Reaktion auf den Beschluss zu DasErste.de fällt so aus, als hätten sie ihn gar nicht erst gelesen: Mit ihren Milliarden von Gebührengeldern könnten die Öffentlich-Rechtlichen ja digital tun, was sie wollen, privatwirtschaftliche Medien hätten das Nachsehen. Ein lieb gewonnenes Argument, von dem man sich wohl nicht trennen will. Hubert Burda in seiner Eigenschaft als Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) droht denn auch mit Klage gegen die Online-Pläne des ZDF.
Das alles scheint einem gemeinsamen Motto zu entspringen: Warum neue Gegner sehen, wenn die alten so lieb und teuer sind? Denn wenn es um das Erreichen von Nutzern im Netz und funktionierende digitale Geschäftsmodelle geht, sollten den Medienhäusern nicht ARD und ZDF Kopfschmerzen bereiten. Ob der ZDF-Fernsehrat jetzt den Marktanteil der Online-Angebote mit 0,4 Prozent zu niedrig angesetzt hat oder nicht – geschenkt. Da kommt kein Wert zusammen, der ein Geschäftsmodell in die schwarzen Zahlen bringt. In Relation zu den großen Online-Playern und dem Traffic, der dort abläuft, verschwindet der Effekt so und anders. Egal, ob es soziale Netzwerke sind wie die VZ-Portale oder Facebook, Google samt YouTube oder Akteure wie das Videoportal Hulu und Apples iTunes – hier tummeln sich die Nutzer.
Die junge Zielgruppe, Digital Natives oder das Publikum von morgen fällt doch nicht in Scharen über DasErste.de oder ZDF.de her, nur weil da Eigenproduziertes drei Monate statt einen Tag online steht. ARD und ZDF könnten ihre kompletten Info-Formate auf ewig ins Netz stellen - die Nutzer würden sich trotzdem über Wikipedia informieren. Fragen Sie mal Lehrer, welche Quellen sie den Schülern austreiben müssen.
Aber da müsste man ja umdenken. Neue Argumente finden und vor allem eigene Ideen – vor diesen Kopfschmerzen schrecken hier wohl noch zu viele zurück. Dann doch lieber weiter auf lieb gewonnene Gegner einprügeln.
Schlagworte: Öffentlich-Rechtlich VPRT BDZV VDZ Online-Angebote Telemedien Drei-Stufen-Test ARD ZDF
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