veröffentlicht am 10.08.2011 16:00 Uhr in
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Von: Susanne Herrmann
Die Zutaten für das Sommerloch: Erdbeeren, Hühnersuppe und grenzenlose Dummheit
Empörend ist das, unlauter und eine ganz schlimme Verbrauchertäuschung: Fertiggerichte und andere industriell hergestellte Lebensmittel und Getränke enthalten doch tatsächlich das, was in der Zutatenliste steht - und nicht eins zu eins das, was vorne auf der Verpackung abgebildet ist!
Seltsame Blüten treibt der Sommertrendsport 2011, Konzern-Dreschen. Rund um die Öffnung des Portals Lebensmittelklarheit.de und wohl auch mangels anderer Themen treiben die Medien nun die Hersteller von Lebensmitteln als Sau - ach was, als Drecksäue! - durchs digitale und gedruckte Dorf. Mit tatkräftiger Unterstützung der Verbraucherzentralen entdecken die Journalisten nun, dass die großen Molkereien, Süßwarenkonzerne und Fertiggerichtehersteller alle lügen und betrügen.
So stürzen sich Süddeutsche, Spiegel, Hamburger Abendblatt und viele mehr auf die Veröffentlichung der Verbraucherzentrale Hamburg: Die deckt auf, dass ein Huhn für 5000 Liter Suppe aus dem Päckchen und eine Erdbeere für 100 Tafeln Erdbeerschokolade reichen würde.
Die Zahlen sind erstaunlich und verblüffen sicher den Leser, was die Nachricht schon rechtfertigt. Muss so sein, denn der traurige Rest ist im klassischen Sinne keine Nachricht (das Neue fehlt). Alle sorgfältig aufgeführten Mengenangaben sind ja seit Jahren auf jeder Verpackung zu lesen. Was den Tatbestand der Täuschung, über den sich die Journaille so empört, schon arg in Frage stellt.
"Aber die Bilder, die Produktnamen, das ist ja alles Lug und Trug", klagen die Hüter der Moral und heben den Zeigefinger. Karamell-Müsli mit 0,5 Prozent Karamell nur, Schokolade Pfirsich-Maracuja-Joghurt mit zwei abgebildeten Pfirsichschnitzen auf der Packung, aber nur zu 0,8 Prozent enthalten!
Skandalös - ist, dass Verbraucherschützer und ihre willigen Helfer von der Presse die Konsumenten für unermesslich viel blöder halten, als diese jemals sein könnten. Denn:
Wer Bananenmilch in der Flasche kauft, der erwartet, dass sie nach Milch und Bananen und lecker schmeckt. Wird diese Erwartung enttäuscht, kauft er sie nie wieder. Glaubt er, dass frisch gepresste Bananen drin sind, und zwar über 50 Prozent oder so, und das interessiert ihn ganz aufrichtig, dann dreht er die Flasche um, liest das Etikett, ekelt sich und stellt die Flasche zurück ins Regal.
Wer sich eine Fertigmischung Müsli "Karamell" kauft, rechnet mit vielen Hafer- und sonstigen Flocken und Karamellstückchen. Wenn es ihm schmeckt, ist ihm egal, ob 0,5 oder 5 Prozent Flöckchen drin sind. Wenn nicht, auch. Wären es mehr als 20 Prozent, würden sich die Verbraucherzentralen bitter beschweren über den ungesund hohen Zuckeranteil.
Wer Schokolade Erdbeer-Joghurt kauft, der will süß, fein und eine aufregende Note Erdbeergeschmack. Will er 3,5 Erdbeeren, wie auf der bösen, gemeinen Packung abgebildet, dann kauft er sich, wenn er schlau ist, ein paar Erdbeeren. Wie er die dann in die Schokolade bringt, bleibt sein Geheimnis.
Ich bin ja sehr für David gegen Goliath, Krawall von unten, den mächtigen Konzernen auf die Finger schauen, für Alle Macht geht vom Volk aus. Aber diese Konzern-Dresche im Sommerloch ist vollkommen unangebracht. Hier liegt weder Täuschung vor noch Schlimmeres wie vorsätzliche Gesundheitsgefährdung. Die Verbraucher haben die Wahl, zu lesen oder nicht, zu kaufen oder nicht, selbst zu kochen oder nicht. Und so unglaublich hohl, wie ihnen oft unterstellt wird, sind die Konsumenten bei weitem nicht.
Können Sie gar nicht sein, denn wären sie das, dürfte man die Leute nicht mehr ins Fernsehen gehen lassen, allein ins Internet, allein in den Supermarkt - ach und: Zum Wählen gehen sie besser auch nicht. Die haben ja keine Ahnung ... huch?
Schlagworte: Zutaten Politik Lebensmittel Konzern Skandal Lebensmittelklarheit
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