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Anja Janotta veröffentlicht am 29.04.2010 15:00 Uhr in Blog
Von: Anja Janotta

Fußball ist NICHT unser Leben!

Es geht rund. Weit vor dem Anpfiff am 11. Juni kickt ganz Werbe-Deutschland den WM-Ball: Nutella lässt die Nationalspieler bereits seit dem Winter Stimmung machen, Jogi Löw grinst von 18/1 für TUI und das Reiseziel Südafrika, Michael Ballack fährt Bahn und Lukas Podolski nur zum heimischen Rewe-Markt. Etwas größer spielen dann die Sponsoren und Ausrüster in ihren aktuellen WM-Spots mit internationalen Größen wie Ronaldinho auf.

Aber mal ganz ehrlich: Ich kann's nicht mehr sehen! Und das bereits weit vor der WM. Mittlerweile wird in jedem dritten, vierten TV-Spot gekickt, geschossen, getippt, gedribbelt, geflankt, gekickert, trainiert, signiert, imponiert - also alle Register gezogen, die ein Fußballstar so drauf hat. Leider ist nach dem gezielten Schuss das bescheidene Repertoire des Testimonials dann auch schon wieder aufgebraucht. Beim Zuseher macht sich spätestens nach dem dritten Spot angesichts dieser stereotypisch ausgewalzten Idee gähnende Langeweile breit.

Nun mögen mir Fußballfreunde entgegenhalten, dass Fußballer - gerade jetzt - natürlich großartige, emotionale Identifikationsfiguren sind. Deren Fans wollen ja nichts anderes als so sein wie ihre Helden. Ja, und das Sommermärchen 2006 war doch so mitreißend... War's auch. Aber echte Begeisterung, schon gar nicht die der Konsumenten lässt sich nicht künstlich herbeijubeln. Außerdem sind die Produkteigenschaften, die ein Fußballer glaubhaft verkörpern kann, ebenso begrenzt wie seine unverwechselbare Einsatzmöglichkeit für eine, vielleicht zwei, aber gewiss nicht mehr Marken.

Deswegen plädiere ich für die strikte Trennung von Werbung und Inhalt: Im Spiel dürfen die Herren künftig flanken, dribbeln, schießen, passen und imponieren, was das Zeug hält. In der Werbe-Pause hingegen sollte wirklich Fußball-Pause sein und das wahre, vielfältige (Werbe-)Leben wieder stattfinden.

Und überhaupt, wenn wir schon bei Monokultur-Werbeideen sind: Auch der bevorstehende Filmstart von "Sex and the city" ist mittlerweile echt werblich überstrapaziert. Macht doch mal was Neues, liebe Werber!

Schlagworte: Fußball-WM

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