veröffentlicht am 01.02.2012 11:30 Uhr in
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Von: Lena Herrmann
Hält der knallbunte Outdoor-Trend ewig an?
Wer in diesen Tagen über die Ispo, eine der größten Sportfachmessen der Welt, streift, kommt aus dem Staunen nicht raus: auf den Bügeln hängen wahre High-Tech-Klamotten. Ultraleichte Daunenjacken und Softshelljacken in knalligen Farben, und dazu Hosen, die Minusgraden, Orkanböen und meterhohen Schneeverwehungen trotzen. Ganz zu schweigen von Handschuhen, die auch Eisschrauben eindrehen können, und Mützen, die Himalaya-tauglich sind. Und das alles findet sich in einem Jahr, wenn die Produkte in die Läden kommen, nicht nur auf den Bergen - wo die Sachen ja auch eine Funktion und Notwendigkeit haben - sondern auch auf den Straßen der Innenstädte wieder. Denn der Trend zur Outdoorbekleidung ist ungebrochen. Egal, was die Sachen kosten.
Ein Beispiel: Mammut hat seit wenigen Monaten mit der Eiger Extrem Kollektion eine Linie auf dem Markt, die für das Klettern und Steigen in hochalpinem Gelände konzipiert ist. Die Highend-Jacken kosten um die 650 Euro. Ein gesalzener Preis - und dennoch läuft die Kollektion so gut, dass der Schweizer Hersteller Lieferschwierigkeiten hat. Aus der Speziallinie wurde innerhalb kürzester Zeit ein Massenprodukt. Zu sehen nicht nur auf dem Mont Blanc sondern auch auf dem Jochberg in den Bayerischen Voralpen.
Auch alle anderen Bergsportfirmen machen ihren Umsatz inzwischen fast ausschließlich mit der Bekleidung. Seile, Gurte, Haken und Schrauben, die sogenannte "Hardware" für Kletterer und Bergsportler, dient nur noch dem Image und der Befriedigung einer kleinen Menge an Menschen. Nämlich derer, die sich wirklich sportlich am Berg bewegen. Knallige Outdoorjacken dagegen sind inzwischen auch bei den Gassi-Gehern im Englischen Garten en vogue. Und die Soft- und Hardshell-Fetischisten im Flachland nehmen immer mehr zu.
Aber muss dieser Hype nicht irgendwann doch vorbei sein? Nicht, weil sich das Thema Outdoor erschöpft - dazu wird es so schnell nicht kommen, denn zu groß ist das Bedürfnis der Städter nach Erholung und Natur. Aber bleibt es in den kommenden Jahren weiterhin schick, in neonpinken, leuchten orangen oder blau-grün getreiften Sportjacken durch die Innenstädte zu laufen? Ist die Auffälligkeit der Jacken das neue Marken-Namedropping? Kehren wir dahin zurück, wo uns die Marke Chiemsee in den 80ern bereits hatte? Nur mit dem Unterschied, dass wir damals noch jung genug waren, wilde Muster und Neonfarben zu tragen?
In der Regel sind modische Erscheinungen nach ein paar Jahren wieder vorbei. Gut möglich also, dass in Kürze die Passanten wieder komisch gucken, wenn Menschen, die das Teenageralter längst überschritten haben, in schrille Leuchtfarben gekleidet durch die Kaufhäuser wandeln. Die Frage ist dann, wie die Unternehmen darauf reagieren. Noch sträuben sich die Hardliner unter den Herstellern, auf die Stadtbevölkerung zuzugehen. Man gehe nicht weg vom Berg, heißt es bei Mammut. Das müsste im Umkehrschluss heißen: Keine Abkehr von bunten Farben, denn grau, weiß oder schwarz kann auf dem Gipfel tödlich sein, wenn man bei einem Unglück nicht schnell genug gefunden wird.
Für die Hersteller der Klamotten bleibt zu hoffen, dass die coole Optik, die auch das Lebensgefühl der Kletterer und Alpinisten, Freerider und Slakliner transportieren soll, weiterhin auch in den Innenstädten gern gesehen ist. Wer bunt trägt, ist individuell, signalisiert die Einfärbung. Das ist gerade mächtig angesagt und da spielt es keine Rolle, wenn die rausblitzende Anzughose nur bedingt zur Jacke passt. Für Modefreaks und Fashionlabels sind die Paradiesvögel ein Graus. Spannend, wer sich am Ende durchsetzen wird.
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