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Susanne Herrmann veröffentlicht am 03.02.2010 08:30 Uhr in Blog
Von: Susanne Herrmann

iPad: Warum die Henne doch vor dem Ei kommt

Noch keine Woche ist es her, dass Steve Jobs den Tablet-Apple vorgestellt hat. Schon brodelt es in der Blogosphäre und in der Welt der Printmedien (und zwar auf beiden Seiten des Schreibtischs: auf der mit dem spitzen und der mit dem abgekauten Bleistift neben der Tastatur).

Wenig überraschend wird das iPad wie seit dem iPod alle Produkte von Apple geradezu hysterisch aufgenommen. Die Apple-Sympathisanten feiern das iPad als Meilenstein der Computertechnologie (was er nicht ist). Die Verlage feiern das iPad als Lösung für ihre Probleme mit sinkenden Einnahmen (was es ebenfalls nicht ist). Die Journalisten feiern das iPad als begehrenswertestes Accessoire des 21. Jahrhunderts - mich eingeschlossen – sofern sie nicht einstimmen in den Chor der Kulturkritiker, ewig Gestrigen und PC-Jünger. Diese drei Gruppen sind es, die Steve Jobs’ neues Spielzeug verdammen: Weil Apple-Käufer verblendete, quasi-religiöse Fanatiker sind, weil Tablet-PCs schon seit Jahren alles können, was das iPad kann, weil selbst Apple mit seinen Geräten nicht die Welt retten, sondern Geld verdienen möchte (Pfui Teufel!).

Überraschend ist aber, was die meisten dieser Beiträge nicht enthielten: Warum überhaupt sollte ein papiergroßer berührungsempfindlicher Bildschirm denn das Zeug dazu haben, alles bisher Dagewesene über den Haufen zu werfen, die digitale Welt und die Mediengewohnheiten zu revolutionieren?

Wahrscheinlich, weil Anhänger und Kritiker diese Frage nicht beantworten können: Schon die zugrundeliegende These ist nämlich falsch. Das iPad ändert nichts, die Welt nicht, die Mediennutzung nicht. Vielmehr erfüllt es Wünsche, die die Welt, die der Nutzer längst hat. Frag nicht, was deine Kunden für dich tun können, frag, was du für die Kunden tun kannst.

Was wollen die? Sie wollen Informationen, Unterhaltung, Kommunikation, Arbeiten, mobil sein, angeben. Am liebsten unkompliziert, überall, leicht, unmittelbar. Dass es immer wieder Apple es schafft, die Bedienung von hoch komplexen Geräten so leicht und intuitiv zu gestalten, ist schön für Apple, praktisch für die Konsumenten und ein Armutszeugnis für ebenso viele Firmen wie auch Medienkonzerne, die genau das nicht schaffen: Den Menschen einfach zu geben, was sie haben wollen. Im Falle der Zeitungen und Zeitschriften zum Beispiel Geschichten, die für den Leser spannend sind und lehrreich und ihm nahe gehen. Und die sie dann lesen können, wann und wo sie wollen – denn ob ich die exklusive Reportage auf Papier oder am Bildschirm lese, ist mir erst einmal doch egal, solange sie gut ist und mich in der geeigneten Situation erreicht.

Und das ist der Grund, warum das iPad für die Verlage vielleicht doch ein bisschen die Erlösung bringen wird: Es ermöglicht angenehm zu erreichende und konsumierende Inhalte, wann und wo ich will – die aber müssen dann schon die Medien selbst beisteuern. Vorausgesetzt, dass es uns Medienschaffenden gelingt, mit diesen Inhalten wieder die Bedürfnisse unserer Leser und Zuschauer zu treffen.

Das ist es, was man von Apple lernen kann. Ach ja: Und das Geldverdienen.

Schlagworte: iPad Apple Verlage Medienrevolution Steve Jobs iPhone

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