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Lena Herrmann veröffentlicht am 19.01.2012 10:30 Uhr in Blog
Von: Lena Herrmann

Kann Dschungelcamp-Werbung einer Marke schaden?

Die Werbekunden entdecken das RTL-Dschungelcamp für sich. Das jedenfalls hat meine Kollegin Petra Schwegler recherchiert. Ihrer Ansicht nach wird die gerade laufende sechste Staffel die erste wirtschaftlich wirklich erfolgreiche für den Sender. Vor allem Unternehmen, die Nahrungs- und Körperpflegeprodukte verkaufen, würden die Werbeplätze buchen, erzählt IP-Manager Matthias Dang gegenüber W&V Online. Darüber lässt sich doch nur der Kopf schütteln. Ist das Dschungelcamp wirklich gesellschaftsfähig geworden? Schaut eine relevante Zielgruppe den würdelosen Ekelkram an?

Fragt man im Freundes- oder Kollegenkreis nach, so ist festzustellen: Offensichtlich ja. Immer mehr Menschen, die beim besten Willen nicht als niveaulos zu beschimpfen sind, sitzen gerade Tag für Tag zu später Abendstunde vor dem Fernseher und schauen zu, wie sich Promis, die keiner kennt, beschimpfen, mit Schlamm bewerfen, ausziehen oder Maden frühstücken. Aber warum nur?

Ich selbst will mich in keinster Weise über das sogenannte "Trash-TV" beschweren. Schließlich lande ich doch selbst beim Zappen immer wieder bei fragwürdigen Unterhaltungsformaten wie "Germanys next Topmodel", "Faktor X" oder "Voice of Germany". Und verbringe gerne mal einen Abend mit "nicht nachdenken müssen" vor der Glotze. Aber in diesen Sendungen fließen maximal Tränen, wenn es kein neues Bild von Heidi gibt. Niveauvoller ist das nicht, zugegeben. Aber auch nicht so entwürdigend. Ein Kollege - täglich das Dschungelcamp verfolgend - argumentiert, das alles sei lustig und zynisch und die ausrangierten Promis wüssten besser als 16-jährige Mädchen, worauf sie sich einlassen. Schließlich würden sie sich mit dem Mediengeschäft auskennen.

Mag sein. Auch wenn ich nicht das Gefühl habe. Allerdings habe ich bisher auch kein einziges Mal die Sendung gesehen und mir meine Meinung nur aus der nicht abreißenden Berichterstattung im Netz, Radio und Zeitung gebildet. Aber dann kommt ja auch noch diese ganze eklige Sache mit den unapptitlichen Dingen, die verspeist werden müssen, hinzu. Wie, lieber Leibniz-Keks und lieber Müller-Joghurt, könnt Ihr in so einem Umfeld werben wollen? Klar erreicht man viele Menschen auf einmal. Aber mehr als die Hälfte hat aufgrund der sich räkelnden Insekten auf dem Teller der Dschungelbewohner mit Sicherheit keinen Appetit mehr. Und ob das Urwaldgetümmel aufs Image einzahlt?

Am Ende wird man sehen, ob Rasierer, Gebrauchtwagenportal und Knabberzeug von dem Format profitieren. Oder ob würgende, weinende und leidende Menschen doch nicht so sehr zum "Feel-good" der Produkte passen. Und ich werde mich weiterhin mit den Kollegen auseinandersetzen, die sich das Format gerne anschauen und weder beim Anblick von Ramona Leiß, dem Plastikbusen von Micaela Dingsbums oder den fiepsenden Ratten Ekelattacken bekommen.

Schlagworte: Dschungelcamp Leibniz Müller

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