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Klaus Wieking veröffentlicht am 08.04.2010 13:51 Uhr in Blog
Von: Klaus Wieking

Krieg im Einzelhandel

Im deutschen Einzelhandel herrscht Krieg, Preiskrieg. Seit Monaten liefern sich die Händler eine Rabattschlacht, die die Preise in immer neue Tiefen reisst. Die Folgen sind für die Hersteller fatal, hierzulande und anderswo.

Die Misere, die vielen Verbrauchern recht und vor allem billig ist, hat vielerlei Gründe. So genießen beispielsweise Lebensmittel in Deutschland traditionell nicht die gleiche Wertschätzung wie etwa in Frankreich. Qualität ist vielen Kunden wurscht, wobei nicht übersehen werden darf, dass Teile der Bevölkerung aus finanziellen Gründen zum billigsten greifen müssen. Auf der Handelsseite hat sich das Geschehen auf wenige Big Player konzentriert, die mit ihrer Einkaufsmacht der Industrie ihre Bedingungen diktieren kann. Wer nicht über das Stöckchen der Einzelhändler springt und immer neue Rabatte, Konditionen und Werbekostenzuschüsse akzeptiert, muss damit rechnen, nicht mehr beworben, im Laden schlecht platziert zu werden oder gleich aus dem Regal zu fliegen.

Nur manchmal werden die schlimmsten Folgen der ewigen Preistreiberei und des Ramschkults sichtbar - wie jetzt. Verbraucherschützer und Bürgerrechtsorganisationen haben beim Landgericht Heilbronn gegen den Discounter Lidl Klage eingereicht, weil sie die Zustände in Fabriken in Bangladesh, die Lidl mit Billigware beliefern, für unhaltbar halten. Die Organisationen berichten von Hungerlöhnen, unbezahlten Überstunden, ja Misshandlungen und sexuellen Übergriffen auf die meist weiblichen Angestellten. Abseits der juristischen Beweisführung und der Unschuldsvermutung, die auch für ein übel beleumundetes Unternehmen wie Lidl gilt, sollte sich jeder Verbraucher selbst fragen, wieso Kleidung aus dem nahen und ferneren Osten für wenige Euros an den Kleiderbügeln in einem der reichsten Länder der Erde hängen. Wie kann es sein, dass sich eine Kleinfamilie bei Kik für ein paar Euro komplett einkleiden kann? Achten die deutschen Billigheimer wirklich auf die Einhaltung von Mindeststandards bei Arbeitsschutz und Herstellung? Oder beruht ihr Geschäftsmodell auf der Ausbeutung von Mensch und Resourcen? Wer die letzte Frage bejaht, sollte die Finger von der Billigware lassen und freiwillig einen höheren Preis bezahlen. Sonst zahlen ihn andere.

Schlagworte: Einzelhandel Lidl Rabatt Discounter

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