veröffentlicht am 09.06.2010 16:47 Uhr in
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Von: Lisa Priller-Gebhardt
Landunter auf der Insel der Glückseligen
"Wir leben hier bei Focus auf einer Insel der Glückseligen", sagte unlängst ein Mitarbeiter des Nachrichtenmagazins "Focus". Und dieser Satz ist so wahr: Während in der gesamten Medienlandschaft nun schon seit einiger Zeit heftige Umwälzungen stattfinden, die meist mit einem teils massiven Stellenabbau einher gingen, saßen die "Focus"-Mitarbeiter über die letzten 17 Jahre fest im Sattel. Allenfalls eine Kündigung hier, eine Stellenkürzung da. Immer so, dass es unter dem Beobachtungsradar der Medienbranche blieb. Und genauso sicher die Jobs bei "Focus" waren, genauso sicher kamen die Gehaltserhöhungen alle ein bis zwei Jahre.
Doch am Mittwochvormittag ist Ernüchterung eingetreten. Gründungs-Chefredakteur Helmut Markwort hat allen Mitarbeitern des Focus Magazin Verlages ein Abfindungsangebot unterbreitet - in der Hoffnung, 50 Mitarbeiter werden dies annehmen, um keine Kündigungen aussprechen zu müssen. Welch trauriges Ende einer ehemaligen Erfolgs-Story und welch traurige Pflicht eines Chefs, der einst für seinen Verleger mit einer genialen Idee sehr viel Geld verdiente. Das Angebot, von dem übrigens die Redaktionen von "Focus Money" und "Focus Schule" ausgenommen sind, enthält einen "Entscheiderbonus". So nennt Burda die Sonderprämie, die jeder erhält, der sich bereits innerhalb der nächsten drei Wochen entscheidet, zu gehen. Bleibt abzuwarten, wie viele Mitarbeiter sich für das Angebot entscheiden. Geht man von einem Durchschnittsgehalt von 7.000 Euro und einer Betriebszugehörigkeit von 15 Jahren aus, so erhält man nicht einmal 100.000 Euro, von denen das Finanzamt dann auch noch die Hälfte fordert. Ein Goldener Handschlag sieht anders aus - hier handelt es sich eher um einen bronzenen.
Dass der Focus Verlag sparen muss, dürfte seit längerem klar sein. Stets hat der Verlag dementiert, rote Zahlen zu schreiben, doch die Bilanzen der IVW und der ZAS sprechen eine deutliche Sprache. Der übereilt - noch vom alten Team Markwort und seinem Chefredakteurskollegen Uli Baur - durchgeführte Relaunch verursachte in erster Linie Kosten. Die Auflage ist im Einzelverkauf mittlerweile wieder auf Vor-Relaunch-Niveau abgesackt. Bei den Anzeigenumfängen musste das Nachrichtenmagazin ein Minus hinnehmen: Drei Prozent brutto verlor der Focus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, während der Konkurrent Spiegel aus Hamburg bereits wieder zulegte. Nun ist es also die unangenehme Aufgabe von Markwort, die Redaktion noch vor der Ankunft des neuen Chefredakteurs Wolfram Weimer zu verschlanken. Um wieviel eleganter wäre es gewesen, wenn der Gründungs- und Chefredakteur Markwort beizeiten schon Platz für einen Nachfolger gemacht hätte? Der Stellenabbau wäre ihm erspart geblieben und allerhöchstes Lob von allen Seiten wäre ihm bis ans Lebensende sicher.
Zwei zentrale Fragen aber bleiben. Zum einen: Wie soll der neue Chefredakteur, der das Blatt einer umfangreichen Frischzellenkur unterziehen wird, seine Ideen umsetzen, so lange die verlegerische Verantwortung für den Titel weiter beim Vorstand Helmut Markwort und dem Geschäftsführer Frank-Michael Müller bleibt? Eines hat Markwort in dieser Woche nochmals klargemacht: Er wird seinen Posten als Herausgeber erst zum Ende des Jahres abgeben. Zum anderen: Wie soll eine vom Abbau, voraussichtlich sogar von Kündigungen betroffene und damit emotional stark angegriffene Redaktion mit voller Kraft neue Ideen in ein Relaunch-Projekt einbringen?
Der Blattgründer wird in den nächsten Wochen in der Arabellastraße nicht so häufig wie sonst zu sehen sein. Er frönt seiner Leidenschaft, dem Schauspielen. Am 17. Juli findet vor dem Frankfurter Dom die Premiere von "Jedermann" statt. Markwort spielt in dem Stück an der Seite von Ralf Bauer und Alexandra Seefisch. Der Focus-Chef spielt den Tod. Erste Proben für das Stück haben am vergangenen Wochenende bereits begonnen.
Schlagworte: Weimer Focus Markwort Burda
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