veröffentlicht am 12.01.2011 13:00 Uhr in
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Von: Lena Herrmann
Neuanfang für Media Markt - ist Kempertrautmann das Bauernopfer?
Da beschäftigt sich eine Agentur ein Jahr lang mit nichts anderem als mit sich selbst, stellt sich neu auf, macht sich bereit für moderne Anforderungen, verzichtet auf Preise und einen Platz im Kreativranking, investiert Zeit und Geld in digitales Personal, den Aus- und Aufbau von Standorten, gründet eine Multichannel-Agentur. Und bekommt wenige Tage nach dem offiziellen Launch von Kempertrautmann Change unter der Fürhung von Martin Drust, Wulf-Peter Kemper und Nils Wollny die Kündigung des langjährigen Kunden Media Markt. Mit der Begründung, man wolle "auch in der Werbung verstärkt multimediale Wege gehen". Was bitte, ist das denn?
Traut Media Markt der Agentur, mit der das Unternehmen seit bald sieben Jahren zusammenarbeitet, nicht zu, die digitalen Bedürfnisse zu befriedigen? Wohl kaum. Kaum vorstellbar, dass sich der Elektronikriese, der jahrelang extrem konservativ in der Mediaschaltung war, auf einen Schlag seine Strategie so modern ausrichtet, dass Kempertrautmann das nicht leisten könnte. Dass eine professionelle Agentur, auch wenn sie mit ihrem Umbau zugegebenermaßen noch am Anfang ihres konsequenten multimedialen Arbeitens steht und der Beweis noch aussteht, dass sich das Investment auch auszahlt, überfordert wäre.
Die einzige Erklärung für die Kündigung ist, dass die neue Geschäftsführung in Zugzwang steht. Etwas unternehmen muss, das bisher komplett schiefgelaufene Projekt E-Commerce zu retten - CEO Roland Wiese hat das im Dezember 2010 den Job gekostet, das neue Führungspersonal muss Media Markt jetzt endlich lukrativ und rentabel ins Netz bringen. Kempertrautmann erscheint da als Bauernopfer - erst recht, wenn man sich die Umstände der Kündigung anschaut: Per Pressemitteilung hat das sonst extrem kommunikationsunlustige und restriktive Unternehmen den Abschied von KT offensiv und ohne Notwendigkeit verkündet. Und zwar nicht mit sanften, freundschaftlichen Worten. Sondern mit einem Tenor, der nach endgültigem Abschied klingt. Erst auf Nachfrage beim Unternehmen stellt sich dann plötzlich raus, dass die Berliner Werber durchaus zur Verteidigung eingeladen sind, wenn es zu einem Pitch kommt. Wenn sie den wollen.
Fraglich aber, ob die Agentur nach solch einer unfreundlichen Behandlung noch Lust hat, sich um den Etat zu bemühen - mag er auch noch so lukrativ sein. Andererseits hätte Media Markt mit einer Pitch-Absage Kempertrautmanns wahrscheinlich genau das erreicht, was sie wollen: Sie müssten sich nicht mehr damit beschäftigen, warum sie einer Agentur, die durchaus für ihre Bedürfnisse geeignet wäre, nicht zum Zug kommen lassen. Und zugeben, dass das alles nicht die Schuld der Werber ist. Sondern die strategische Unfähigkeit in den eigenen Reihen.
Schlagworte: Media Markt Kempertrautmann
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