veröffentlicht am 22.02.2010 15:30 Uhr in
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Von: Ralph-Bernhard Pfister
Schluss mit "Nice Apples...“
Für Offenherzigkeit war Apple ja noch nie bekannt. Kaum ein Unternehmen gibt sich so zugeknöpft bei großen Neuerungen. Nur durch zahlreiche Schlüsselloch-Blicke werden Medien und Konsumenten angeheizt, bevor Boss Steve Jobs Neuigkeiten offiziell und mit viel Verve enthüllt.
Da überrascht auch die rigide Kontrolle von Apps für iPhone und iPod Touch nicht wirklich. Die schon vorher in der Kritik stehenden Zensurmaßnahmen hat Apple nun offenbar verschärft: Alles, was sich als sexueller Inhalt definieren lässt, muss künftig wohl draußen bleiben. Keine Haut ist eine Ansage dazu, keine Badeanzüge eine andere.
Zur Klarheit: Würden ARD und ZDF solche Richtlinien befolgen, könnten sie die Berichterstattung zu Eiskunstlauf, Schwimmen oder anderen Sportereignissen abschreiben.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Kontrollstelle für Apps durch Aktionen hervortut, die nach Prüderie oder Willkür aussehen. Eine Qualitätskontrolle an sich ist absolut zu befürworten. Die Kriterien dabei in den Mantel des Schweigens zu hüllen dagegen weniger. Vor allem, wenn das zu Aktionen führt wie der kurzfristigen Sperrung der Stern-App – wegen zu viel Haut in Fotostrecken. Oder Wörterbuch-Apps wegen enthaltener Unflätigkeiten verschwinden.
Diese Problematik betrifft ja nicht nur Erotik-Inhalte. Da kann Apple schlussendlich zensieren, wie es lustig ist – sein Store, seine Geräte. Auch in anderen Fällen verhüllt Apple aber die Kriterien für seine Entscheidungen.
Und wenn man den Zensurgedanken weiterspinnt, kann das auch für die Hoffnungen der Medienbranche für digitale Inhalte auf dem iPad kritisch werden. Was passiert denn, wenn Bildstrecken oder Werbemotive zu viel Haut zeigen? Parfum-Werbung wie die von Davidoff, tief geschnittene Roben bei Events – fliegen dann die entsprechenden Ausgaben aus dem Store? Oder wird den Seiten eine Art digitale Burka verpasst, designed by Apple in California?
Auch hier würden klare Ansagen mehr Transparenz schaffen. Das mag schlicht Apples Kultur zuwiderlaufen. Klare Ansagen würden schließlich genau wie eine Regelung über Jugendschutz-Einstellungen im Gerät oder auf dem Store einen Kontrollverlust seitens Apple nachziehen.
In den sauren Apfel will man wohl nicht beißen. Das zeigen auch Verhandlungen wie die mit Verlagen – Apple hat gern alle Fäden in der Hand. Dem Markt indes würde mehr Offenheit guttun.
Schlagworte: App Store Zensur Erotik Transparenz Apple iPad iPhone
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