veröffentlicht am 24.02.2010 11:44 Uhr in
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Von: Gregory Lipinski
Schwere Schlappe für Springer-Chef Döpfner
Vor rund drei Jahren gründete der Zeitungskonzern Axel Springer in Berlin mit viel Aufsehen eine neue Einheit: die Service- und Entwicklungsredaktion. Ihr Team aus damals mehr als 50 Mitarbeitern bestand aus Redakteuren, die bei der Fusion der "Welt" mit der "Berliner Morgenpost" nicht benötigt wurden. Ihr Auftrag: Sie sollten neue Objekte für den Verlag entwickeln. Doch große Projekte - wie sie Konzernchef Mathias Döpfner im Blick hatte - kamen in den vergangenen Jahren nie zu Stande. Eher kleine, unbedeutende Vorhaben erblickten das Licht der Medienwelt: eine Zeitschrift für die Industrie- und Handelskammer in Berlin, eine Gesundheitsbeilage für Regionalzeitungen des Konzerns - eben kleine Fische.
Die "Süddeutsche Zeitung" bezeichnete das Konstrukt bereits bei ihrer Geburt als "Elefantenfriedhof". Hausintern war die Service- und Entwicklungsredaktion schnell als "Gulag" verpönt. Denn zunehmend entwickelte sie sich als Abstellgleis für Redakteure, die der Zeitungskonzern loswerden wollte, aber nicht konnte, weil viele der dort gelandeten Springer-Journalisten wegen der langen Betriebszugehörigkeit schwer zu kündigen waren. Sie wehrten sich deshalb gegen die Versetzung in den ungeliebte Redaktionseinheit. Einige vergebens, einige gaben freiwillig auf und gingen von selbst.
Nun steht die Service- und Entwicklungsredaktion auf der Kippe. Der Grund: Heute hat das Bundesarbeitsgericht der Redakteurin Bettina Seipp Recht gegeben, die sich gegen die Versetzung in den Gulag - pardon Service- und Entwicklungsredaktion - gewehrt hatte. Danach war der Springer-Konzern nicht berechtigt, der Journalistin "eine Redakteurstätigkeit bei anderen Objekten/Produkten zu übertragen". Der Arbeitgeber dürfe nicht verlangen, dass der Redakteur gänzlich andere Aufgaben wahrnehme und dabei ausschließlich neue Produkte entwickle, urteilte das Bundesarbeitsgericht in Erfurt. Wörtlich. "Es gehört nicht zum Berufsbild des Redakteurs, nur neue Produkte zu entwickeln, ohne noch zur Veröffentlichung bestimmte Beiträge zu erarbeiten", heißt es dort.
Mit dem jetzigen Urteil dürften weitere Mitarbeiter die Chance haben, sich gegen ihre Versetzung in die Service- und Entwicklungsredaktion zu wehren. Damit muss Konzernchef eine schwere Schlappe einstecken. Gegen das Urteil kann er nicht angehen. Ihm bleibt wohl nur eine Wahl: die S + E-Einheit endgültig dicht zu machen und den dort beschäftigten Redakteuren eine Aufgabe bei einem der vielen Titel im Zeitungsreich von Bild, Welt & Co. zu übertragen. Damit wäre auch der von Döpfner geschaffene Abschiebe-Bahnhof für ausgediente Springer-Journalisten endlich vom Tisch.
Schlagworte: Entwicklungsredaktion Döpfner Springer
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