veröffentlicht am 16.06.2010 12:45 Uhr in
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Von: Petra Schwegler
Sixx ist in allen Punkten schuldig!
Beim wiederholten Durchblättern des "Spiegels" von dieser Woche sticht erneut die öffentlich-rechtlich honorierte WDR-Moderatorin Lisa Ortgies ins Auge. "Das ist Tussi-TV", wettert die "Frau-TV"-Frau über den neuen ProSiebenSat.1-Sender Sixx. Aus ihrer Warte mag Ortgies ja Recht haben, sie, die immerhin als Zwischendurch-Chefredakteurin von "Emma" einen Kurzauftritt als Vorzeige-Emanze vorweisen kann. Der Stein ihres Anstoßes: Wirkliche Frauenthemen wie "Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder ein Leben als Alleinerziehende" sieht Lisa Ortgies bei Sixx nicht. "Stattdessen ist es eine Recyclingstation für Serien, die auf normalen Sendeplätzen durchgefallen sind. Der Sender scheint eher ein Versuchslabor für neue Werbeformen zu sein und darf ganz offensichtlich nichts kosten", meckert das ARD-Gesicht im "Spiegel".
Doch Frau Ortgies wird bei ProSiebenSat.1 auf taube Ohren stoßen. Sixx würde sich - direkt mit der Kritik konfrontiert - vielleicht sogar geschmeichelt fühlen. Denn: Der Konzern hat sich schon im Vorfeld in allen Punkten schuldig erklärt. Nur ein kleines Team aus bestehenden ProSiebenSat.1-Leuten stemmt Sixx recht günstig nebenher. Das ist von Anfang an bekannt; nur so ist es überhaupt zum Senderstart gekommen. Neue Werbeformen sollen ausprobiert und dadurch neue Werbekunden für Sixx, für ProSiebenSat.1 oder sogar für die Gattung TV gefunden werden. Auch bekannt - und logisch: So macht man das eben heutzutage im werbefinanzierten Fernsehen, dem der WDR-Gebührentopf nicht zugänglich ist. Das Konzept sieht von Anfang an die Wiederholung guter frauenaffiner Serien aus dem Fundus der kommerziellen TV-AG vor, gemischt mit Formaten, die wegen zu wenig Quotenerwartung bisher nicht auf deutschen Bildschirmen zu sehen gewesen sind. Sogar dazu hat sich Sixx vor Start bekannt; zu viel an teurem TV-Material liegt noch ungenutzt in den Archiven. Alles in allem wird von Lisa Ortgies ein Anspruch erhoben, den Sixx wohl gar nicht haben will!
Was bleibt also von der Kritik übrig? Nicht viel, Frau Ortgies. Sixx will doch gar kein Sender über Frauen, sondern für Frauen sein. Mit leichter Unterhaltung. Mit Oprah Winfrey, die mit Sixx ins deutsche TV schwappt. Auch Berufstätige und Alleinerziehende wollen einfach mal abends vor "Sex and the City" abhängen, entspannen, vielleicht noch nebenher bügeln. Kompliziert ist das Leben als Frau schon genug - die Autorin spricht aus eigener Erfahrung mit Redakteurs-Job, Ehemann, zwei stets schmutzigen Jungs und einem verfressenen Kater. Bei Nichtgefallen kann frau einfach ausschalten.
Das "SZ-Magazin" hat sich erst kürzlich mit dem neuen Phänomen beschäftigt, wonach Frauen heute schon wieder so emanzipiert sind, dass sie zu ihrer Tussi-Seite stehen (können). Sixx liegt ergo im Trend - und "Frau TV" sollte sich diese Entwicklung mal ernsthaft vorknöpfen.
Schlagworte: Lisa Ortgies Frau TV WDR Kritik Emma Spiegel Sixx ProSiebenSat.1
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