veröffentlicht am 24.02.2011 14:45 Uhr in
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Von: Florian Zettel
Wenn der Aufzug streikt: Warum Bild zu Guttenberg nicht in den Abgrund fährt
Das ist bitter: Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner, Herr über Europas größtes Boulevardblatt, hat offenbar keinen blassen Schimmer, wie die "Bild"-Zeitung funktionert. In einem Gespräch mit dem Spiegel rief Döpfner 2006 das mittlerweile viel zitierte Prinzip der Bild-Zeitung aus: "Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten." Damals als eine Art Generalabsolution für Kampagnenjournalismus gedacht, stellt es sich dieser Tage als falsch, zumindest aber als fragwürdig heraus - wie der Fall Guttenberg zeigt.
Der Minister steht wegen der Plagiatsaffäre seit Tagen unter massivem Trommelfeuer der Presse. Selbst politisch unverdächtige Medien wie die FAZ legen Karl-Theodor zu Guttenberg indirekt oder direkt den Rücktritt nah. Nur "Bild" hält dagegen und weigert sich vehement Guttenberg mit dem Aufzug ins politische und mediale Erdgeschoß zu befördern.
Als die Geschichte am 16. Februar von der Süddeutschen Zeitung losgetreten wurde, reagierte Bild.de ungewöhnlich zögerlich und verzichtet anfangs sogar auf große Headlines. Erst als der mediale Druck zunahm, musste auch "Bild" einsehen, dass das Blatt an der Berichterstattung über die Plagiatsvorwürfe nicht vorbeikommen würde. Was dann folgte war eine Art Durchhalteparole, die mit einer Internet-Umfrage unterfüttert werden sollte. Doch das ging schief und so ließen die"Bild"-Oberen die Leserschaft lieber noch mal übers Telefon abstimmen, offenbar in der Hoffnung, nicht von renitenten Internetusern gestört zu werden. Mit Erfolg: Nach Angaben des Boulevardblatts haben 87 Prozent der Anrufer entschieden: "Ja, wir stehen zu Guttenberg".
Nun ist es ja nicht neu, dass Bild die Familie zu Guttenberg ganz doll lieb hat. Dass heute aber die Financial Times Deutschland berichtet, Guttenbergs Ministerium will eine große Werbekampagne starten, die im Print- und Online-Bereich vor allem in "Bild","Bild am Sonntag" und Bild.de geschaltet werden soll, wirft ein fahles Licht auf den Fahrgast und seinen Aufzugsbetreiber. Auch wenn das Ministerium bislang keine Zahlen zu den Kosten der Kampagne vorgelegt hat, ist es sicher: Hier wird sehr viel Geld fließen und der Vorwurf der gekauften Berichterstattung aufkommen.
Auch wenn Döpfner das Bild-Prinzip vielleicht noch nicht richtig verstanden hat, der neue Dreh der Geschichte dürfte ihm nicht besonders gut gefallen.
Schlagworte: Plagiatsaffäre Karl-Theodor zu Guttenberg Bild Axel Springer SZ FAZ FTD Stern
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