Alain Caparros: Zum Erfolg verdammt
Der deutsche Einzelhandel wird von einer Riege schweigsamer Männer dominiert. Gründungsväter wie Anton Schlecker, Lidl-Boss Dieter Schwarz oder Karl Albrecht, der verbliebene der Aldi-Brüder, scheuen das Licht der Öffentlichkeit, andere Top-Manager wie Edekas Vorstandsvorsitzender Markus Mosa halten sich vornehm zurück. Vor diesem Hintergrund hebt sich Alain Caparros umso leuchtender ab, der Vorstandsvorsitzende der Rewe Group profiliert sich gern mit klaren Ansagen und Taten. Den sparsamen Deutschen hielt der Manager, einst selbst für den Discounter tätig, ein "Aldi-Gen" vor, die ewige Preistreiberei des Handels nannte er "kollektiven Selbstmord". Auch Armin Rehberg, den nach kurzer Regentschaft gefeuerten Chef des zur Rewe Group gehörenden Discounters Penny, rief er ein paar Derbheiten hinterher. Penny sei profillos, es gebe für die Kunden eigentlich keinen Grund, dort einzukaufen, erklärte Caparros öffentlich. Als ihm der Kurs von Karstadt-Investor Nicolas Berggruen nicht passte, warf er den Chefposten im Aufsichtsrat des Warenhauskonzerns ruck, zuck hin.
Wie Kai aus der Kiste sprang Caparros 2006 als Sieger aus den Diadochenkämpfen um die Herrschaft bei dem 53-Milliarden-Konzern hervor, die nach der Jahrzehnte währenden Herrschaft des Rewe-Übervaters Hans Reischl ausgebrochen waren. Einige Vorstandschefs des Handels- und Touristikkonzerns hielten sich nur wenige Monate, einer hatte sich gar bestechen lassen. Der im algerischen Tiaret als Sohn französischer Eltern geborene Betriebswirt brachte Ruhe ins Unternehmen und ging die Problemfälle an. So setzte er für die Baumarktsparte Toom ein Sanierungskonzept auf und bündelte das Supermarktgeschäft unter der Dachmarke Rewe. Unter Caparros wurde ein neues Konzept für den Vollsortimenter entwickelt und eine professionelle Markenkommunikation aufgesetzt. Inzwischen erlebt die Supermarktsparte mit Edeka und Rewe an der Spitze eine Renaissance und wächst im Discount-Land Deutschland zeitweise schneller als Aldi & Co.
Bleibt der Sanierungsfall Penny. Nachdem die Ideen des alten Managements nicht gefunkt hatten, hat Caparros die Weichen neu gestellt: Mit dem Ex-Generalbevollmächtigten Jan Kunath holte er einen Manager für den Discount in den Vorstand, mit Serviceplan eine renommierte Agentur, die für Penny erstmals eine TV-Kampagne kreierte. Sie läuft in dieser Woche an. Falls Pennys Comeback misslingt, steckt Rewe in der Sackgasse: Eine Übernahme durch einen Wettbewerber ist wegen der hohen Konzentration im Handel praktisch ausgeschlossen, ausländische Investoren scheuen den knallharten Wettbewerb in Deutschland. Alain Caparros ist zum Erfolg verdammt.
Wieking Redakteur







