Alexander Lehmann: Virtuell scharfzüngig
In dem zweiminütigen Viral "Du bist Terrorist" und auf der gleichnamigen Internetseite erklärt Alexander Lehmann die potenziellen Auswirkungen der Vorratsdatenspeicherung im Internet und warnt vor einem Überwachungsstaat. Nacktscanner und biometrische Ausweise kommen unter anderem im Film vor. Er versteht sich auch als Satire auf die Social-Marketing-Kampagne "Du bist Deutschland", die die Agentur Kempertrautmann 2007 konzipiert hat.
Die ganze Aufregung hatte Alexander Lehmann dann doch ziemlich überrascht. Er war gerade auf Auslandssemester in Vancouver, genauer gesagt beim Campen mit Freunden, als ihn an einem Freitagabend im Mai 2009 Post vom Anwalt erreichte. "Lieber Herr Lehmann", schrieb der Rechtsbeistand von Agenturchef Michael Trautmann, und forderte ihn auf, "sämtliche Bezüge" zu der Kampagne "Du bist Deutschland" unverzüglich zu löschen. Andernfalls, hieß es, würden wegen Markenrechtsverletzungen rechtliche Schritte eingeleitet. "Zeit", "Spiegel" und die Internetgemeinde griffen den Fall sofort auf und echauffierten sich über den massiven Eingriff in die Meinungsfreiheit. Für Lehmann das Beste, was ihm passieren konnte. Bald schon hatten allein auf YouTube über eine Million Menschen den Streifen des 25-jährigen Jungdesigners angesehen.
"Du bist Terrorist" ist eine Realsatire, ein Film, der die Folgen der verschärften Sicherheitsgesetze in Deutschland vor Augen führt. Es ist ein Projekt, das Lehmann als Virtual-Design-Student an der Fachhochschule Kaiserslautern in seiner Freizeit entwickelt hat. Weniger aus politischen Motiven, denn aus Experimentierfreude: "Ich habe mich in Kanada mit dem Thema beschäftigt und mich gewundert, dass die Medien hier kaum reagiert haben", sagt er. Hilfe gab es vom SWR-Sprecher Ernst Walter Siemon, mit dem Lehmanns Uni bei Studentenprojekten zusammenarbeitet.
"Ich bin Optimist und Idealist", sagt Lehmann über sich selbst. Mit seinen Filmen will er vor allem "Geschichten erzählen". Gerade erst hat er sein Bachelor-Studium beendet. Die Abschlussarbeit thematisiert einen Film über die holländische Band Noisia. Am dazugehörigen Kurzstreifen feilt er noch. Wohin er nach dem Studium will, weiß der gebürtige Rheinländer noch nicht. Erst einmal steht Urlaub in Holland an, die Studentenbude in Kaiserslautern ist schon gekündigt. Das nötige Kleingeld dafür verdient er mit Spenden, die über seine Homepage eingehen, und mit Preisgeldern - wie dem des Spotlight-Festivals vergangene Woche.
Am liebsten würde der sport- und kochbegeisterte Lehmann im Filmgeschäft anfangen. Immerhin hat er in Kanada schon am Oscar-prämierten Film "District 9" mitgewerkelt und Kostüme von Aliens am PC entworfen. Aber auch die Arbeit in einer Agentur kann er sich grundsätzlich vorstellen. Vielleicht nicht gerade bei Kempertrautmann. Obwohl sich die Sache mit dem Agenturchef damals ganz unkompliziert zu seinen Gunsten in einem einzigen Telefonat klären ließ.
Ascher Redakteur








