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Andreas Mundt
Andreas Mundt

Andreas Mundt: Der oberste Kartellknacker

veröffentlicht am 25.03.2011 um 11:00 Uhr · Köpfe · Artikel

Die Fernsehkonzerne RTL und ProSiebenSat.1 prüfen rechtliche Schritte. Sie wollen es nicht einfach so hinnehmen, dass das Bundeskartellamt ihnen die geplante, gemeinsame Online-Videoplattform untersagt – wegen ihrer marktbeherrschenden Stellung. Die Kartellwächter sehen in dem Vorhaben einen "Verstoß gegen das Verbot wettbewerbsbeschränkender Vereinbarungen". In der Kritik der TV-Anstalten schwingt dagegen der Vorwurf mit, die Kartellwächter seien mit ihren Marktbetrachtungen nicht ganz auf der Höhe der Zeit.

RTL und ProSieben sind auf das Kartellamt und dessen Chef Andreas Mundt ohnehin nicht unbedingt gut zu sprechen. Erst vor knapp einem Jahr hatte es in ihrem Haus eine Razzia gegeben, es ging um Absprachen bei der Verschlüsselung ihrer Satelliten-Ausstrahlung. Doch es wäre ein Fehler, Mundt zu unterschätzen. Er ist nicht nur in juristischen Dingen sattelfest – studiert hat er Rechtswissenschaften in seiner Heimatstadt Bonn und im schweizerischen Lausanne –, er hat keine Angst davor, in Wespennester zu stechen. Er legte sich beispielsweise auch mit den Banken an – bekannt wurde Mundt durch seine Entscheidung, die Bankgebühren für EC-Kartennutzer zu kippen. Und Anfang vergangenen Jahres schickte er 56 seiner Mitarbeiter und 62 Polizisten zu einer Razzia bei Einzelhandelsunternehmen und Markenherstellern.

Als Wildwest-Methode wurde das in Unternehmenskreisen kritisiert. Aber Mundt hat damit Erfolg: Gerade erst in der vergangenen Woche hat das Bundeskartellamt Geldbußen in Höhe von insgesamt rund 38 Millionen Euro gegen Kraft Foods, Unilever und Oetker verhängt. Der Süßwarenhersteller Mars kam ungeschoren davon, weil er gepetzt hat. Das Verfahren, dass der Kronzeuge "straffrei" ausgeht, heißt im offiziellen Sprachgebrauch "Bonusregelung" und eignet sich sehr gut dafür, Absprachen überhaupt erst zu identifizieren und Kartelle zu knacken.

Mittlerweile schießt sogar der Wirtschaftsverband BDI gegen den lästigen obersten Kartellwächter. "Das Bußgeldverfahren ist für Unternehmen zu wenig berechenbar und zu wenig transparent", nörgelt der Hauptgeschäftsführer des BDI, Werner Schnappauf. Unternehmen, die verbotene Preis- oder Quotenabsprachen treffen, müssen bis zu zehn Prozent des Konzernumsatzes blechen. Mundt kennt solche Maulereien. Schließlich arbeitet er schon seit fast elf Jahren im Bundeskartellamt. Er leitete seit 2005 die Grundsatzabteilung bevor er 2009 an die Spitze der Behörde rückte. Derzeit lässt er gerade den Benzinmarkt untersuchen. Auch hier geht Mundt davon aus, dass es eine marktbeherrschende Stellung einiger weniger Anbieter gibt.

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