Andreas Trautmann: Aus dem Schatten
Die Personalie war eine große Überraschung, die in der vergangenen Woche einschlug wie eine Bombe und für viel Gesprächsstoff sorgte. Jetzt wartet die Werbewelt gespannt darauf, was passiert, wenn in ein paar Monaten Andreas Trautmann als CEO bei McCann Erickson anheuert. Als nett und charakterlich einwandfrei wird er in der Branche eingeschätzt. Der 44-jährige Bruder von Kempertrautmann-Gründer und -Chef Michael Trautmann ist seinen Weg bisher immer ein bisschen im Schatten seines älteren Bruders gegangen. Doch jetzt scheint seine große Stunde geschlagen zu haben. Mit dem CEO-Job bei McCann Erickson übernimmt er die oberste Leitung einer der größten Agenturen in Deutschland. Und gleichzeitig auch eine der größten Herausforderungen, die die deutsche Agenturlandschaft aktuell zu bieten hat.
Es gilt, die Agentur für die Zukunft aufzustellen, Neugeschäft zu generieren, den Opel-Verlust zu verschmerzen. Eine Reihe namhafter Agenturchefs hatte der Headhunter bei seiner Suche nach einem Nachfolger für Helmut Sendlmeier angesprochen – viele hatten abgewinkt. Zu groß schien ihnen offenbar die Herausforderung. Und wohl auch das Erbe des Werbe-Titans Sendlmeier. Der hat in den vergangenen elf Jahren McCann Erickson selbstbewusst und vom Europa-Office weitgehend unabhängig geführt und konnte vor allem in den ersten Jahren seiner Amtszeit mit der Agentur fulminante Erfolge feiern sowie große Etats gewinnen.
Trautmann muss Sendlmeiers Erbe in die Zukunft führen. Und es bleibt spannend, wie der smarte Manager, der bisher in der Öffentlichkeit eher weniger in Erscheinung getreten ist, seine Rolle ausfüllt. Umfangreiche Erfahrung in Agenturen und auch auf Management-Posten hat er schon längst gesammelt. Und mit Gustavo Martinez hat er einen Europachef in London sitzen, der den deutschen Markt kaum aus den Augen lassen wird. Außerdem gilt Trautmann als Martinez’ Favorit und kann sich daher sicher sein, bei seinem Start wohlwollende Unterstützung zu bekommen.
Hilfe erhält er zumindest zu Anfang auch noch von Sendlmeier, der als Chairman für einige Zeit an Bord bleiben will. Auch wenn noch nicht feststeht, für wie lange. Zuletzt hatte der 63-Jährige immer wieder auch mit seinem endgültigen Abschied von McCann Erickson kokettiert.
Herrmann Redakteur







