Christoph Boecken: Blog-Beiträge auf Papier
Dass er später einmal gern mit Computern arbeiten würde, war Christoph Boecken schon mit zwölf Jahren klar. Die richtige Entscheidung. Sein Beruf sei sein Hobby, seine Leidenschaft, sagt der Webdesigner und -entwickler heute, 15 Jahre später. Dass er aber einmal als Magazinherausgeber in der Fachpresse und Blogger-Szene gefeiert werden würde, ahnte er nicht. Genau das hat sein Ausdruck Anfang November ausgelöst. Während die Verleger - der eine krampfhaft, der andere spielend - versuchen, etablierte Medienmarken mithilfe des Internets am Leben zu erhalten, führt ihnen ausgerechnet ein Blogger vor, wo die Stärken von gedruckten Magazinen liegen. Dass es auf Inhalte ankommt und Print nicht tot ist.
Natürlich hat Boecken den Vorteil, dass er mit Ausdruck keine Rendite erwirtschaften muss und will. Ihm ging es schlicht darum zu sehen, ob er es schaffen kann, ein kleines Magazin zu gestalten. "Abgesehen von Zeit, Motivation und der Bereitschaft, etwas völlig Neues zu lernen, musste ich ja nichts weiter investieren. Höhere Ziele habe ich damit nie verfolgt", sagt der Wahl-Berliner, geboren in Buenos Aires, aufgewachsen in Köln.
Dennoch kann so ein Projekt nur dem gelingen, der in einer digitalen Welt dem Papier noch etwas zutraut. Boecken glaubt daran und sieht "für Print nach wie vor eine Daseinsberechtigung. Tageszeitungen müssen sich umstellen, da sie mit der Schnelligkeit des Internets nicht mithalten können, aber Magazine wird es noch viele Jahre geben."
Weil ein Magazin ganz andere Anforderungen an Texte stellt als ein Blog, kombinierte der Webdesigner die Texte mit ästhetischen Fotos, setzte sich mit Schriftschnitten, Druckerfachsprache und Layout-Software auseinander. Das hat sich gelohnt: Die Resonanz seiner Leser ist enthusiastisch; viele schreiben, für dieses Heft seien sie gern bereit, bis zu zehn Euro zu bezahlen. Boecken bleibt bescheiden: "Kiosk wäre Overkill, schließlich kam die Resonanz ja größtenteils ebenfalls von anderen Bloggern." Preise für Kleinstauflage prüft er trotzdem gerade, um ein paar Ausgaben zum Selbstkostenpreis an die Interessierten verkaufen zu können. "Gewinnabsichten gibt es dabei keine", stellt er klar. Und auch eine weitere Ausgabe sei nicht geplant.
Was schade ist. Wo uns doch gerade ein Blogger, der aus der Medienzukunft kommt, gezeigt hat, was in Verbindung mit der Medientradition alles möglich ist.
Die Idee: Anfang Juli fragte Christoph Boecken die Leser seines Blogs, welche Blog-Beiträge sie in einem Printmedium gern sehen würden. Daraus und aus eigenen Favoriten stellte der freiberufliche Webdesigner und -entwickler ein Magazin zusammen und bietet es nun als PDF zum Lesen am Bildschirm oder zum - daher der Titel - Ausdruck an. Der Impuls kam aus England: Hier ließ Ben Terrett eine Zeitung mit Blog-Beiträgen drucken und verteilte sie an Interessierte.
Herrmann Redakteur







