Dieter Hahn: Schlechter Verlierer
Im Film Moneyball erklärt Baseball-Manager Billy Beane sein Handeln mit einem Satz: „I hate losing more than I love winning.“ Die Aussage von Beane, gespielt von Brad Pitt, könnte auch von Dieter Hahn stammen. Das Filmvorbild Beane kauft und verkauft Spieler für Millionensummen. Mit einer emotionslosen und rein auf Mathematik basierenden Herangehensweise hat er den Baseball-Sport revolutioniert. Manager Hahn dagegen kauft und verkauft Medienrechte, manchmal ganze Sender. Als Ziehsohn von Leo Kirch hatte er ab 1998 dessen operatives Geschäft geleitet und so ebenfalls Fernsehgeschichte geschrieben. Analytisch, mit forschem Auftritt und sehr klarer Meinung – nicht immer zur Freude der Mitarbeiter. Angst vor Konfrontation zeigte Hahn nie – schon die Dissertation des Juristen trug den Titel „Die feindliche Übernahme von Aktiengesellschaften: eine juristisch-ökonomische Analyse“.
Gegen alle Widerstände will er jetzt erneut die Medienrechte an der Bundesliga kaufen. Bereits vor vier Jahren glich sein Vorhaben einer feindlichen Übernahme. Er hatte den Zuschlag für die kompletten Medienrechte zu drei Milliarden Euro für sechs Jahre von der Deutschen Fußball Liga (DFL) erhalten. Für die Sportschau hätte es sehr wahrscheinlich das Aus bedeutet. Doch dann kam das Kartellamt und kippte den Deal mit einer "Lex Sportschau", wie es Hahn im Interview mit dem Spiegel nannte. "Ich will nichts unterstellen, aber das ist kein rechtsstaatlich angemessenes Verfahren, sondern pure Interessenpolitik zugunsten der ARD." Deutliche Worte für jemanden, der auf die Presse am liebsten verzichtet. Diese Niederlage wurmt den Hobbygolfer bis heute. Er hatte schlicht das Grün am letzten Loch falsch gelesen. Die Fehleinschätzung betraf das Kartellamt. Aber seinerzeit waren die Karten auf dem Tisch, das Spiel vorbei. Insofern konnte er sich über den "Spiegel" öffentlich Luft verschaffen. Sonst legt Hahn viel Wert darauf, dass ihm niemand in die Karten schaut, wie schon sein Ziehvater Leo Kirch.
Aufgeben kommt für Hahn aber nie infrage. Das gilt auch für die schwerste Niederlage des Managers: die Pleite des Kirch-Konzerns. Nach Ansicht von Hahn und Kirch ausgelöst von einer Aussage von Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer. "Erschossen hat mich der Rolf", wurde Kirch vielfach zitiert. Kurz nach der Insolvenz konnte Hahn noch scherzen. Er sei nun Berater der Deutschen Bank in Sachen Medien, erzählte er auf Partys. Diesbezüglich ist sein Humor inzwischen sicher verflogen. Die entscheidenden Verfahren haben er und der vergangenen Sommer verstorbene Kirch bislang verloren. Und damit mehrere Milliarden, die eine Schadenersatzforderung hätte einbringen sollen. Aber der juristische Krieg geht weiter. Seine Anwälte brüten bereits über die nächsten Schritte.
Pellikan Redakteur







