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Frank Lotze: Knapp und präzise

Frank Lotze: Knapp und präzise

veröffentlicht am 16.12.2011 um 10:00 Uhr · Köpfe · Artikel

Nein, wie ein Klischee-Werber kommt Frank Lotze nicht rüber. Er fällt weder durch seine Erscheinung auf, noch durch besondere Mimik oder Gestik. Und: Er hört sich offenbar selber nicht so gern beim Fabulieren zu wie viele seiner Kollegen. Auf Fragen antwortet er nach kurzem Überlegen knapp und präzise. Nicht selten enden Interviews früher als gedacht.

Der 45 Jahre alte BBDO-Chef ist eher ein Macher mit strategischer Kompetenz. Derjenige, der gerne selbst mit Hand anlegt, sich auf die wesentlichen Dinge konzentriert und diese – durchaus hartnäckig – bis zu ihrem Ende verfolgt. Nicht als Einzelgänger, sondern durchaus als Teamplayer. Am liebsten mit seinem Kreativpartner Wolfgang „Wolle“ Schneider, den er von seiner vorherigen Agentur Jung von Matt zu BBDO gelotst hat.

Vor zwei Jahren kam der studierte Diplom-Ökonom zu Deutschlands größter Agenturgruppe. Damals hatte BBDO noch den Ruf einer "Schlangengrube", wurde kolportiert, die Omnicom-Agentur befände sich im "Würgegriff" der Amerikaner. Nicht zuletzt die vielen Wechsel auf dem CEO-Stuhl hatten der Agentur geschadet und das Image lädiert. Vielleicht auch Ursache dafür, dass Frank Lotze anfangs so wenig in der Öffentlichkeit auftrat. Viele erlebten ihn beim ersten persönlichen Kontakt als distanziert, vorsichtig. Aber das trügt. Der BBDO-Boss scheut nicht vor weiterreichenden Entscheidungen zurück. Er war von Anfang an präsent: bei Kunden wie an den Standorten, half bei Pitches und motivierte die Mannschaft. Er kann sein Wissen offenbar gut vermitteln. Nina Preuss, heute Chefin bei der Berliner Agentur Preuss und Preuss, schwärmt immer noch von ihrem Ex-Chef. Bei ihm habe sie in kurzer Zeit mehr vom Beratungsgeschäft gelernt als in vielen Jahren danach.

Nachdem Frank Lotze etliche hochkarätige Kreative angeheuert hatte, begann er mit dem Zusammenlegen der Werbeagentur BBDO mit der auf CRM- und Online-Werbung spezialisierten Schwesteragentur Proximity. Mit wenigen negativen Begleitgeräuschen und offenbar mit Erfolg. In den vergangenen zwei Jahren wuchs die Gruppe beim Umsatz um zehn Prozent und konnte nach eigenen Angaben auch bei der Rendite die Vorstellungen der amerikanischen Mutter erfüllen.

In diesen Tagen trifft man auf einen ausgeglichenen BBDO-Chef. Die Zahlen stimmen und die Feiertage stehen bevor. Zeit, die der "Familienmensch" Lotze mit seiner Frau und den drei Kindern verbringt. Nur eine Kleinigkeit könnte stören: Es ist Winterspielpause. Erst Ende Januar bestreitet der FC Schalke 04 das erste Spiel 2012. Eine lange Zeit für den bekennenden Schalke-Fan Lotze, der in dritter Familiengeneration Mitglied des Kultvereins ist.

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