Frank-Michael Schmidt: Clevere Schachzüge
Frank-Michael Schmidt und seinem Co-CEO Christian Tiedemann gehörte in den letzten Tagen die volle Aufmerksamkeit: Wenn eine Traditionsagentur wie Scholz & Friends 30 Jahre nach ihrer Gründung unter den Hammer kommt, ist das Presseecho entsprechend groß. Schmidt, 49, wählt seine Worte mit Bedacht. Nichts huscht unüberlegt über seine Lippen, auf jedes Gespräch bereitet er sich akribisch vor. Er ist Stratege durch und durch. Wenn es wichtig ist, greift er zum Telefon, das auf seinem runden Schreibtisch steht. Das sei effektiver als E-Mails.
Seine Agenturlaufbahn startete er 1989 als Assistent der Geschäftsführung bei Wilkens Ayer, der heutigen Draftfcb. 1991 dann der Wechsel als Strategy Consultant zu Lintas, dem 1994 ein Ausflug in die Selbstständigkeit mit der F.M. Schmidt Consulting folgte. Von 1998 an agierte er erfolgreich bei JWT, zuletzt als Chief Strategic Officer. Seit 2003 prägt Schmidt das Bild von Scholz & Friends, zunächst als CEO Deutschland. Die damaligen Chefs Thomas Heilmann und Sebastian Turner waren sich sicher in der Wahl ihres Nachfolgers: Wenn es einer schaffen kann, das Unternehmen erfolgreich weiterzuführen, dann „FM“, wie er in der Branche genannt wird. Er gilt als einer der cleversten Manager, die die Agenturszene vorzuweisen hat. Hört man sich um, so wird ihm von allen Seiten Respekt gezollt. Seit 2008 – mit dem Rückzug von Turner und Heilmann in den Aufsichtsrat – ist er Vorstandsvorsitzender der Scholz & Friends Group und CEO deren Holding Commarco mit ihren 25 Töchterfirmen und 1200 Mitarbeitern.
Trotz der Unternehmensgröße verlegt sich der gebürtige Berliner nicht nur auf das "Managen". Der Gewinn des Opel-Etats im vorigen Jahr geht zu großen Teilen auf das Konto seiner Strategie. Bei der Verteidigung von Siemens Hausgeräte erarbeitete er die Präsentation. Als Draftfcb beim wichtigen Kunden Tchibo am Baggern war, machte er es sich zu seiner ureigenen Aufgabe, den Etat zu stabilisieren. Er spielt Feuerwehr, er ist verbindlich, er mag keine zentralistische Führung. Deshalb schätzt der Wahl-Hanseat auch den schon von Agenturgründer Jürgen Scholz benutzten runden Tisch.
Bei der Wahl des neuen Commarco-Eigners hatte Schmidt, der so gar nicht dem Klischee des gestylten Werbers entspricht, vermutlich nicht viel mitzureden. In erster Linie wollte Finanz-Investor Cognetas Kasse machen; die Commarco-Partner, darunter auch Schmidt, profitieren davon freilich ebenso. Der CEO, der vor Kurzem noch kritisierte, dass die deutschen Network-Dependancen gemolken wurden, hofft nun, "die Türen für das nächste Level der Unternehmensentwicklung" öffnen zu können. Vielleicht schafft er es, dass sich der Standort Deutschland diesmal behaupten kann.
Richter Redakteur







