Georg Kofler: Stecker gezogen
Niederlagen sind im Leben von Georg Kofler nicht vorgesehen. Der ehemalige Fernsehmanager kennt nur einen Weg: den nach oben. Börsengänge, internationales Wachstum, einen Markt neu erfinden: Die Ziele, die er vorgibt, können nicht hoch genug sein. Umso bitterer dürfte der Flop mit seinem Kofler Energies Club sein. Nur vier Monate nach der Gründung des Clubs ("der ADAC des Energiesparens") liege die Marktakzeptanz "weit hinter den Erwartungen", räumte der gebürtige Südtiroler am Freitag vergangener Woche ein. Marketing und Vertrieb sind bereits gestoppt worden. Wohl zum ersten Mal in seiner Karriere musste Kofler das Aus eines Projektes verkünden, während er an Bord ist.
Der Kofler Energies Club wurde erst im Herbst vergangenen Jahres als Tochtermarke des Münchner Unternehmens Kofler Energies AG gegründet. Der Manager wollte damit den Schritt vom Firmen- ins Privatkundengeschäft wagen.
Eines kann er hervorragend: Firmen aufbauen, ausbauen, für eine Sache trommeln. Wenn der 53-Jährige von einer Sache überzeugt ist, kennt er kein Zaudern oder Zweifeln. Mitarbeitern verlangt er alles ab; nachts zu arbeiten ist für ihn selbstverständlich. Gegenüber kritischen Journalisten argumentiert er so lange, bis sie erschöpft sind – oder überzeugt. Die Medienbranche liebte ihn, wegen seines unerschöpflichen Optimismus und seiner flotten Sprüche ("eigentlich müssen ARD und ZDF ja Pay-TV heißen", sagte er einmal auf dem Gipfel der Medientage München). Er brachte ProSieben an die Börse, gründete den Nachrichtensender N24, ließ den Teleshopping-Sender Home Shopping Europe international expandieren und schaffte - drei Jahre nachdem Premiere knapp an der Insolvenz vorbeigeschrammt war - den Börsengang für die Bezahlplattform. Der damalige Ausgabepreis: 28 Euro. Mitte 2010 notierte sie unter einem Euro (heute bei 3,19 Euro).
Und hier liegt das Problem: Der einstige Kirch-Manager baut auf, aber er hält nicht. Home Shopping Europe machte nach Koflers Weggang seine vier ausländischen Kanäle dicht, der Aktienkurs von Premiere kannte bald nur eine Richtung: nach unten. Das lag auch am Verlust der Bundesliga-Rechte - Kofler hatte in den Verhandlungen mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zu hoch gepokert. Hinzu kamen Klagen von Aktionärsschützern. Der Bezahlsender ließ die Abonnentenzahl neu rechnen und strich 2008 erst einmal rund eine Million Kunden aus der Bilanz. Koflers Image erhielt Risse. Einen Trost hat der Manager jedoch: Bei den Geschäftskunden rollt der Rubel.
Privat scheint der promovierte Geisteswissenschaftler angekommen zu sein: 2010 heiratete er zum zweiten Mal die Ex-9Live-Managerin Christiane zu Salm.
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