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Georg Mascolo
Georg Mascolo

Georg Mascolo: Geschickter Netzwerker

veröffentlicht am 04.03.2011 um 14:25 Uhr · Köpfe · Artikel

Kaum ist Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo seit einer Woche für die Blattlinie des gedruckten Nachrichtenmagazins verantwortlich, hagelt es bereits Kritik an dem von ihm abgesegneten Titel "Die Brandstifter". Massiv rechnet das Wochenblatt darin mit dem Kampagnen-Journalismus der "Bild" ab, die mit ihrer wohlwollenden Berichterstattung über den bei seiner Doktorarbeit mogelnden Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg einen neuen Höhepunkt erreicht hat.

Kritiker werfen Mascolo vor, die Geschichte würde nachrichtlich wenig Neues bieten und sei wirkungslos. Doch mit dem Frontalangriff gegen das Springer-Flaggschiff läutet Mascolo möglicherweise eine neue Ära ein. Denn der 46-Jährige will, dass der gedruckte "Spiegel" künftig mehr Biss und eigene Standpunkte bezieht. Er soll mit Themen stärker polarisieren, um seine Rolle als führendes Leitmedium der deutschen Presse zu festigen und "Focus" & Co. in die Schranken zu weisen. Mascolos Strategie dahinter ist simpel. Der ehemalige Hauptstadt-Büroleiter des Magazins will die unter eine Million Exemplare gerutschte Verkaufsauflage des Print-Produkts steigern, da sie langfristig ökonomisch das wichtigste Standbein des Verlags bleiben dürfte. Schafft er es, stärkt der gebürtige Niedersachse zugleich seine Position bei den Gesellschaftern des Medienhauses – darunter die Mitarbeiter-KG, Gruner + Jahr sowie die Augstein-Familie.

Dass Mascolo hierfür eisernen Willen sowie starke Ellenbogen besitzt, belegt der jüngst gewonnene Machtkampf mit dem Co-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron. Schlagfertig wie ein Boxer hat er seinen Kollegen nach der fast drei Jahre andauernden Doppelspitze in die Digital-Ecke verwiesen und damit gezeigt, wer künftig Herr der Redaktion ist. Geholfen hat Mascolos jetzigem Aufstieg auch seine bisherige Karriere als politischer Journalist. Als ehemaliger Leiter des Deutschland-Ressorts und Korrespondent in Washington gilt er als gut verdrahteter Netzwerker. Er verfügt über enge Kontakte in die wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Machtzentren – ein unerlässlicher Bestandteil, um im schnelllebigen Nachrichtengeschäft Erfolg zu haben.

Hinzu kommt, dass Mascolo früh das Gespür seines Ziehvaters und ehemaligen Spiegel-TV-Chefredakteurs Stefan Aust für Bilder verinnerlicht hat, das er geschickt für die Gestaltung des Covers einsetzt. Als Mascolo und das Spiegel-TV-Team am 9. November 1989 in Berlin sind, um den Zerfall der DDR zu dokumentieren, hat er den richtigen Riecher. "Geh hin, wo die Menschen sind", hatte ihm Aust geraten. Mascolo folgt seinem Instinkt und geht zum Grenzübergang an der Bornholmer Straße. Als einziger Journalist filmt er die Öffnung der Mauer. Seine Bilder sind es, die Fernsehgeschichte schreiben.

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