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Hermann Schmidt: About Schmidt

Hermann Schmidt: About Schmidt

veröffentlicht am 05.09.2011 um 13:06 Uhr · Köpfe · Artikel

Man müsste wohl lange suchen, um unter all den smarten Jung-Verlagsmanagern einen zu finden, der sich traute, Anrufer mit einem Stück wie der Rock-Hymne "Hells Bells" von AC/DC auf seinen Handy-Anrufbeantworter umzuleiten. Das Lied spielt der 1. FC St. Pauli zum Stadioneinlauf. Hermann Schmidt, langjähriger Vertriebschef des Jahreszeiten-Verlags (Jalag), offenbart dem Anrufer damit eine seiner großen Leidenschaften: St.-Pauli-Fan sein. Es ist nur eine große Liebe des Mannes, der an diesem Donnerstag seine letzte Sitzung als Vorsitzender des Arbeitskreises Mittelständischer Verlage (AMV) im Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) leiten wird und dann der Branche den Rücken kehrt.

Seit vergangener Woche, als der 61-Jährige in Hamburg von seinem Verleger Thomas Ganske verabschiedet wurde, weiß man noch um eine andere Liebe des Verlagsmanagers. "Vermissen werde ich den Verlags-Daimler, den ich nun gegen einen VW Golf Plus eintauschen muss, dem Modell für ältere Herrschaften", leitete Schmidt seine Abschiedsrede ein. Am meisten werde er jedoch die Stereoanlage im Daimler vermissen. Mit dem raste er oft in letzter Minute von Verlagssitzungen ins Stadion. Schmidt träumte als Junge davon, Beatles-Manager, Fußball-Profi oder Anführer einer sozialistischen Arbeiterpartei zu werden. Er wurde Autor mehrerer Bücher, Vertriebsmanager und AMV-Sprecher. Doch auch da trieb er es mit Herzblut. Der SPD-Mann zieht Pommes mit Currywurst "diesem ganzen Feinschmecker-Chichi" vor, wie die Chefredakteurin des gleichnamigen Titels, Madeleine Jakits, im dnv-Sonderheft offenbarte. Schmidt kämpfte mit List und langem Atem für die faire Behandlung der kleinen und mittelständischen Verlage im Grossosystem, gegen die Unwucht im Machtverhältnis zu den Großverlagen. Als er antrat, führten die drei Vertreter der Großverlage im VDZ das Wort. Der gebürtige Hesse hat sich eingemischt und den Kleinen eine Stimme gegeben. Selbst auf seinem Abschiedsempfang kann er von Kampfesrufen nicht lassen: "Vielfalt und Pressefreiheit haben Vorrang vor darwinistischer Profitmaximierung", gibt Schmidt den im Presse­grosso Einzelinteressen verfolgenden Verlagen mit. Jalag-Verleger Ganske weiß von der Kampfeslust seines Vertriebschefs ein Lied zu singen: "Hermann Schmidt kann streiten. Aber er kann sich auch versöhnen. Er kämpft mit leisen Tönen, aber nachhaltig für seine Meinung, seine Pläne und seine Ziele. Ich weiß, wovon ich rede", sagt Ganske in Hamburg. "It’s time for you and me Babe, to part, for these few moments I gave you my heart. Auf Wiedersehen!" Mit der Ringo-Starr-Zeile verabschiedete sich der alte Kämpfer nach über 20 Jahren im Jalag. Wenn nicht alles täuscht, hatte er dabei Tränen in den Augen.

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