Ian Robertson: Der Brite in Bayern
Wegen seiner kühlen blauen Augen mag Ian Robertson im ersten Moment distanziert und unnahbar wirken. Doch im persönlichen Gespräch mit dem Marketingvorstand der BMW AG kommt schnell der feinsinnige Humor durch, für den die Briten weltweit bekannt sind. Auf die Frage, ob er einen Facebook-Account besitze, antwortet Robertson, die nächste Frage vorwegnehmend, gleichzeitig nichts- und vielsagend: "Nein – aus all den Gründen, die Sie vermuten."
Der im walisischen Oswestry, Shropshire, geborene Brite hat am Dienstag in der Doppelhelix der BMW Welt in der bayerischen Landeshauptstadt München eine Tochtermarke aus der Taufe gehoben, die mehr ist als einfach nur eine neue Produktreihe. BMW i markiert einerseits den Übergang vom 125 Jahre alten Verbrennungsmotor zum elektrischen Antrieb. Andererseits kennzeichnet BMW i auch den Wandel im Denken und Verhalten des Konsumenten.
Gerade für junge Menschen wird es immer unwichtiger, ein Auto selbst zu besitzen. Der 52-jährige Robertson weiß das aus eigener Erfahrung. Seine beiden Kinder sind 19 und 22 Jahre alt. Als Robertson 17 Jahre alt war, galt der eigene Wagen noch als Statussymbol. Damals kaufte er sich sein erstes Auto, "einen Singer, eine smartere Version des Hillman Imp, Baujahr 1965 mit 89 000 Meilen auf dem Tacho", erzählt er genießerisch, bevor der Marketingprofi in ihm durchkommt: "Ich habe das Fahrzeug von Grund auf restauriert und es ein Jahr später zum doppelten Preis weiterverkauft."
Heute kann Robertson dank seiner Funktion im Unternehmen alle Produkte aus dem BMW-Konzern fahren, sei es ein Cabrio oder ein Rolls-Royce. Seit März 2008 ist Robertson nicht nur Mitglied des Vorstands der BMW Group, sondern auch Chairman der zu BMW gehörenden Rolls-Royce Motor Cars Limited. Momentan steht in seiner Garage ein 7er mit Allradantrieb, seine Frau fährt einen Mini Cooper S Countryman.
Trotz seiner exponierten Stellung im Konzern ist Ian Robertson mitten im Geschehen. In diesem Jahr ist er zum Beispiel erstmals Jury-Mitglied beim Wettbewerb "NYC Big Apps Competition" in New York, und wenn der studierte Meereswissenschaftler davon erzählt, spürt man eine fast kindliche Neugier. Robertson berichtet, wie "aufregend" es sei, "mitzubekommen, was für Arten von Apps entwickelt werden".
Außerdem scheint dann eine Bodenständigkeit und grundsätzliche Offenheit gegenüber Menschen durch. "Man kommt in Kontakt mit Menschen, die sonst nicht mit großen Konzernen wie der BMW Group zu tun haben", schwärmt Robertson. "Wir lernen viel voneinander."
Schröter Redakteur







