Jörg Herzog: Nicht nur abgefahren
In der Stimme klingt Enttäuschung mit. "Man hätte den Frauen in der aktuellen "Brigitte" ruhig ansehen können, dass es sich nicht um Models, sondern um normale Frauen handelt", sagt Jörg Herzog. Schließlich sei das Magazin mit dem „Model-Verzicht“ in die Offensive gegangen. Wie einst die Marke Dove, für die der Ogilvy-Kreativdirektor seit Langem Werbung macht. „Man muss versuchen, auch die Extreme zu zeigen, sonst bewegt sich nichts“, glaubt Herzog, den sie intern schon mal den „Dove-Papst“ nennen.
Dafür braucht es Steherqualitäten. Die, so der Kreative, habe er. Nicht nur, weil er seit zehn Jahren in der Düsseldorfer Agentur arbeitet. Als er gemeinsam mit einem Partner die Idee zum „Natural Beauty“-Auftritt von Dove hatte, musste er zunächst viel Überzeugungsarbeit bei Procter & Gamble leisten. Inzwischen wird der Ansatz weltweit eingesetzt. Und das genießt Herzog. Er jettet beruflich gerne durch die Welt. Zudem liebt es der anglophile Werber, mit Kollegen aus dem internationalen Network zusammenzusitzen und neue Kampagnen zu entwickeln.
Gleich nach dem Ende des Grafik-Studiums in Dortmund stand für den Rheinländer fest: Er muss ins Ausland. Da er zuvor bei Emi Electrola als Praktikant Plattencover gestaltet hatte, war das Ziel schnell gefunden. Er heuerte bei Emi in London an. Als Designer kümmerte er sich vornehmlich um Buch- und Plattenhüllen. "Damals habe ich gelernt, ikonografische Fotos zu machen", erinnert er sich. Kapital, das er bald darauf beim Einstieg als Junior-AD in der Kölner Agentur Intevi nutzen konnte. Doch schnell wurde der Wunsch groß, auch aufwendige Fernsehspots entwerfen zu können. Also wechselte Herzog zunächst zu Lowe & Partners, dann zu Ogilvy.
Die Mischung zwischen Weltläufigkeit einerseits und Bodenständigkeit andererseits charakterisiert den Menschen Herzog. Stets versucht der 42-Jährige, der in einem Vorort Kölns aufgewachsen ist, "die Erdung nicht zu verlieren". Werber, so seine Erfahrung, lebten gerne in einer Parallelwelt. Immer wieder muss er in Meetings den Kopf schütteln, weil das Gesagte oder Präsentierte so wenig mit der Realität der meisten Menschen gemein hat. Nicht zuletzt deshalb pflegt Herzog intensiv seinen großen Freundeskreis, schwimmt im lokalen Sportverein und genießt zwischendurch auch die Currywurst am Imbiss-Stand nebenan.
DIE IDEE: Die Kosmetikmarke Dove setzt bei der werblichen Ansprache seit Jahren auf "natürliche Schönheit" und arbeitet nicht mehr mit professionellen Models. Genau diesen Ansatz verfolgt die Redaktion der Frauenzeitschrift "Brigitte" beginnend mit der aktuellen Ausgabe. Anlass für den Ogilvy-Kreativdirektor Jörg Herzog, eine Extra-Anzeigenstrecke mit den Highlights früherer Dove-Motive zu konzipieren.
Hammer Redakteur







