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Jörg Kachelmann: Kaltfront über der Schweiz

Jörg Kachelmann: Kaltfront über der Schweiz

veröffentlicht am 11.11.2011 um 11:00 Uhr · Köpfe · Artikel

Dicke Wolken hängen über Jörg Kachelmanns Firma Meteomedia in der Schweiz. Denn: Das Wetter im Ersten kommt künftig aus München, freut sich Bavaria-Geschäftsführer Achim Rohnke. Er hat den Deal mit der ARD klargemacht. Was des einen Freud, ist des anderen Leid: Kachelmann wird damit zum Wetterlieferanten degradiert, und die neue Bavaria-Tochter Cumulus Media hat sich den dicken Auftrag geangelt. Sie realisiert ab Januar 2012 das Tagesthemen-Wetter, das Wetter im Morgenmagazin und das Wetter vor 8 sowie diverse regionale Wettersendungen in den Dritten. Weiterer Wermutstropfen für Kachelmann: Er verliert nicht nur den Produktionsauftrag, er verliert auch seine Moderatoren. Claudia Kleinert, Sven Plöger, Karsten Schwanke und Donald Bäcker. Sie wechseln ebenfalls nach München.

Die Gründe für die Neuvergabe liegen weitgehend auf der Hand: Zum einen hat die ARD-Tochter damit regelmäßig zu tun. "Für die Bavaria Film Gruppe bedeutet der Einstieg in die Produktion von Wettersendungen eine dauerhafte Auslastung eines Studios und eine Erweiterung der Programmkompetenz", resümiert Rohnke. Eine Kostenersparnis dürfte damit auch verbunden sein. Die ARD muss ab 2013 ohnehin neu kalkulieren, da das Sponsoring dann nicht mehr erlaubt ist.

Ein weiterer Grund, der auf der Hand liegt und über den nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt wird, liegt vermutlich in der Person Kachelmann. Der Zuschauer musste im Laufe des Gerichtsprozesses mehr pikante Details erfahren, als ihm lieb sein konnte. Nach seinem Freispruch machte sich Kachelmann Luft und setzte über Twitter manches Gewitter ab – er stellte Paparazzi bloß, beschimpfte deutsche Verleger, bezeichnete Journalisten als "lichtscheues Gesindel". Zuletzt ließ er wissen, Behauptungen über chemische Wolken in der Atmosphäre, sogenannte Chemtrails, würden zum Großteil von Nazis verbreitet.

Dass Kachelmann auf den Bildschirm zurückkehren würde, hat in der ARD offenbar längst niemand mehr ernsthaft erwogen. Erst wurde argumentiert, man warte das Urteil ab. Nach dem Freispruch im Prozess hieß es, man warte erst ein rechtsgültiges Urteil ab. Als das da war, kam wiederum niemand auf Kachelmann zu sprechen. Er trägt offenbar immer noch das Kainsmal des "Im Zweifel für den Angeklagten"-Freigesprochenen. Einige Jahre, so munkelt man in der ARD, dauert es im Allgemeinen, bis ein in Ungnade Gefallener Chancen auf eine Rehabilitierung hat - in Kachelmanns Fall wohl eher Jahrzehnte. In der Zwischenzeit dürfen Achim Rohnke und Cumulus-Media-Chef Christian Hunold ran.

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