Karl Dietrich Seikel: Im Zweifel Klartext
Eigentlich war der Name Karl Dietrich Seikel bisher untrennbar mit dem "Spiegel" assoziiert: Immerhin war der 64-Jährige dem Hamburger Nachrichtenmagazin 26 Jahre lang vebunden, unter anderem als Verlagsleiter und zuletzt als Geschäftsführer der gesamten Spiegel-Gruppe. Jetzt muss sich die Branche an eine neue Konstellation gewöhnen: Der gebürtige Rheinhesse fungiert ab sofort als Berater des frisch inthronisierten "Focus"-Geschäftsführers Burkhard Graßmann, der als ehemaliger Telekom-Manager noch ein wenig Nachhilfe in Sachen Print braucht. Seikel soll Graßmanns eigener Wunschkandidat gewesen sein, ist in der Branche zu hören – dass das Spiegel-Urgestein weiß, wie der direkte Mitbewerber tickt, hat bei dieser Entscheidung sicher mitgeholfen.
Seikel selbst dürfte die Rückkehr ins Nachrichtenmagazin-Business zusagen. Denn er ist Medienmensch durch und durch – so widmete er sich nach seinem Ausstieg beim "Spiegel" nicht etwa dem Vorruhestand, sondern zog als selbstständiger Berater mit zwei anderen großen Namen in eine Bürogemeinschaft, nämlich dem einstigen "Stern"-Macher Werner Funk und dem ehemaligen Gruner + Jahr-Vorstand Rolf Wickmann. In seiner neuen Selbstständigkeit war er unter anderem Medienkoordinator von Hamburg und sollte die Stadt als Medienstandort fördern. Dazu passt auch sein Engagement beim Aufbau der Hamburg Media School. Überhaupt liegt Seikel Nachwuchsförderung schwer am Herzen: Er kümmert sich etwa als Vorstandsmitglied im Verein "Neue Kunst in Hamburg" um junge Künstler. Diese Tätigkeiten sind es, die ihm neben seinen beruflichen Leistungen, auch als langjähriger Vorsitzender der Publikumszeitschriften im Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), das Bundesverdienstkreuz beschert haben.
Weitere Verdienste könnte sich Seikel nun also in Diensten von Burda holen. Das Engagement ist offenbar zeitlich nicht beschränkt – Seikel kann sich für das Coaching von Graßmann die Zeit nehmen, die er braucht. Vermutlich mit der "Methode Seikel", die der ehemalige "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust in der 2007 veröffentlichten Festschrift des VDZ, Seikel & more, beschreibt: "Erst einmal sieht er aus, als könne er kein Wässerchen trüben. Ruhig, gelassen, vielleicht sogar ein wenig langweilig." Aber Seikel kann auch anders, erinnert sich Aust: "Da schreckte er im Zweifel auch nicht davor zurück, Klartext zu reden." Auch "Focus" wird das sicher nicht schaden. Und wer weiß: "Burda und Markwort haben sich um den Spiegel verdient gemacht", äußerte sich Seikel einst. Vielleicht kann man ja auch bald sagen: "Seikel hat sich um "Focus" verdient gemacht."
Pauker Redakteur







