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Lothar Leonhard: Zurück auf der Bühne

Lothar Leonhard: Zurück auf der Bühne

veröffentlicht am 25.11.2011 um 10:51 Uhr · Köpfe · Artikel

Es ist vieles vertraut und doch alles ganz anders. Lothar Leonhard steht zum zweiten Mal als Präsident an der Spitze des Gesamtverbands Kommunikationsagenturen GWA. Bereits 1996 bis 2002 war er in dieses Amt gewählt worden. Im Alter von 69 Jahren stellt sich der Chairman der deutschen Ogilvy-Gruppe erneut der Aufgabe. Am Donnerstag wird er die erste Sitzung des neuen Vorstands leiten. Leonhard beflügeln die neuen, alten Herausforderungen, er blühe auf, heißt es aus dem Umfeld.

Bei Ogilvy ist er schon länger nicht mehr ins operative Geschäft involviert. Den Stab hat er längst an CEO Thomas Strerath übergeben. Sein Ausstieg als Geschäftsführer stand kurz bevor. Doch dann kam die unglücklich gelaufene Suche nach einem Nachfolger für Peter John Mahrenholz, der das GWA-Amt wegen beruflicher Neuorientierung aufgeben musste. Euro-RSCG-Chef und GWA-Vorstand Andreas Geyr brachte schließlich Leonhard ins Spiel. "Er führt das Amt wie einen großen Account", sagt Geyr heute. Die Vorschläge, die Leonhard seit der Wahl am 13. Oktober dem Vorstand zur Abstimmung vorgelegt hat, seien "top-durchdacht". Dabei ist der Druck auf den Präsidenten hoch. Rund 80 Zuschriften hatte er nach der Wahl bekommen. "Das war gewaltig", sagt Leonhard, der über die Agenturszene hinaus einen guten Ruf genießt. Gleichzeitig weiß Leonhard, der Pflichtbewusste: "Ich muss liefern." Der Verband machte zuletzt keine gute Figur, musste die Effie-Gala wegen Sponsorenmangels auf einen kleinen Event zurechtstutzen. Und dann sind da noch die Mitglieder, die das Kosten-Nutzen-Verhältnis des GWA infrage stellen. Für Leonhard hat daher Priorität, die Finanzstruktur anzugehen und Einigkeit darüber zu erzielen, wofür der GWA eigentlich steht und was er leisten kann.

Natürlich gibt es die Stimmen, die es für ein falsches Signal halten, einen 69-Jährigen an der GWA-Spitze zu haben, in einer Zeit, in der die Digitalisierung das Geschäft so dramatisch verändert. Der Ogilvy-Mann nimmt es humorvoll: "Es hilft, dass noch eine 6 davorsteht." Dabei gilt er nicht gerade als Optimist. Bei Pressekonferenzen monierte Leonhard Jahr für Jahr steigenden Kostendruck. Er führe den Laden wie seinen eigenen, war eine andere seiner oft gemachten Aussagen, und mit dem Laden meint er Ogilvy. Agenturgründer David Ogilvy, der "gentleman with brain", der Respekt und Fairness vorlebte, hat ihn geprägt. Dessen Geständnisse eines Werbemannes hatte er 1962 während seiner Lehre zum Werbekaufmann gelesen. "Damals schien allein eine Reise nach New York unerreichbar", so Leonhard. 20 Jahre später zählte er zu den Vertrauten David Ogilvys.

Sein Büro bei Ogilvy in Frankfurt mit Blick über die Skyline hat Leonhard unverändert. Nur seine beiden Motorräder, mit denen er 180 000 Kilometer gefahren ist, tauschte er vor drei Jahren gegen ein Rennrad ein. Getreu seinem persönlichen Motto: "Mens sana in corpore sano".

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