Markus Schächter: Finale furioso
Behutsam, besonnen, diplomatisch - Eigenschaften, die ZDF-Intendant Markus Schächter seit seinem Amtsantritt im Jahr 2002 immer wieder zugeschrieben worden sind. Ein Moderator sei er, ein Teamplayer, der vorrangig im Hintergrund wirke und bei Konflikten eher intern vermittle, als diese öffentlich auszutragen.
Zuletzt jedoch ließ sich der Eindruck gewinnen, dass sich der 61-jährige Schächter zum Ende seiner Amtszeit im kommenden Jahr vermehrt und mit einiger Chuzpe aus der Deckung wagt. Um noch letzte persönliche Duftmarken zu setzen? Vielleicht auch. Vor allem aber dürfte es ihm darum gehen, den Sender für die Zeit nach seinem Abgang im März kommenden Jahres zu rüsten. Denn Schächter wird nachgesagt, er sei stets auf das Wohl des Hauses bedacht, für das er seit 1981 fest arbeitet.
Dennoch ist Schächter - vor neun Jahren erst nach langwierigen parteipolitischen Ränkespielen als Kompromisskandidat ins Amt gekommen - mit seinen jüngsten Vorstößen für viele eine Reizfigur: Gebührenzahler einerseits und private TV-Konkurrenz andererseits kritisierten vor allem den Anfang April bekannt gegebenen Erwerb der Übertragungsrechte für die Champions League ab 2012 für geschätzt rund 50 Millionen Euro. Für Unmut sorgte ferner die öffentlich-rechtliche Parallelübertragung der royalen Hochzeit in Großbritannien. Aber auch die Ausrichtung der Digitalsender ZDF Neo und ZDF Kultur stieß auf Kritik. Letzterer ersetzt vom 7. Mai an den ZDF Theaterkanal und soll wie auch ZDF Neo mit eher popkulturellen Programminhalten vor allem die Jugend an den Sender binden. Dies ist Schächter - bei all seinen tatsächlichen Verdiensten um technologische Neuerungen und digitale Konzepte - in seiner Amtszeit nicht gelungen. Dem Sender haftet nach wie vor das Image an, eine Programmanstalt für die "Generation Kukident" zu sein.
Ändern soll sich das auch durch ein weiteres Projekt, das Schächter zuletzt nahezu überschwänglich beworben hat: eine öffentlich-rechtliche Online-Videothek mit dem Arbeitstitel "Germany’s Gold". "Qualitätsinhalte aus 60 Jahren deutscher Fernsehgeschichte" sollen dort abrufbar sein - gegen Gebühr oder flankiert von Werbung. Ob das Projekt eine Zukunft hat, ist ungewiss, denn erst vor Kurzem waren die RTL-Gruppe und ProSiebenSat.1 mit einer solchen Idee vor dem Kartellamt gescheitert. Schächter will mit der Online-Videothek "großes Geld" im Video-on-Demand-Bereich verdienen. Große Worte für einen behutsamen, öffentlich-rechtlichen Moderator.
Ascher Redakteur







