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Martin Kotthaus: Durch und durch Diplomat

Martin Kotthaus: Durch und durch Diplomat

veröffentlicht am 18.03.2011 um 10:34 Uhr · Köpfe · Artikel

Seit Wolfgang Schäuble Anfang November seinen damaligen Pressesprecher Michael Offer vor den versammelten Journalisten abkanzelte und der Unglückliche seinen Hut nahm, suchte der Minister einen neuen Pressesprecher. Auf YouTube kursierte der Videomitschnitt mit dem Titel "Reden Sie nicht, Offer", wo sich Schäuble nicht unbedingt als Chef empfiehlt. Ob es daran lag, dass sich bisher keiner für den heißen Stuhl im Finanzressort erwärmen konnte oder niemand Schäubles Ansprüchen genügte, bleibt hier ungeklärt.

Der Diplomat Martin Kotthaus ist mutig und neugierig genug, den Job bei Schäuble anzutreten. Kotthaus war schon als Vize-Botschafter in Angola und Presseattaché bei der Botschaft in Washington. Als Sprecher der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Brüssel kennt der 48-Jährige den Schwaben Schäuble seit fünf Jahren – und er kennt ihn anders als das Offer-Video vermuten lässt. Ohnehin hätte der Diplomat nach sechs Jahren in Brüssel nach Berlin rotieren müssen. Die Aufgabe im Finanzministerium kommt ihm da als spannende Alternative zur Rückkehr ins Auswärtige Amt entgegen.

Schäuble jedenfalls hätte kaum eine bessere Wahl treffen können, da sind sich alle einig, die Kotthaus kennen. Der gebürtige Burscheider beherrscht nicht nur Finanz-Themen à la Stabilitätspakt. Er gilt als bestens verdrahtet und hat zudem ein Händchen für Journalisten. Der gesellige und umgängliche Kommunikator ist äußerst beliebt unter Brüssels Korrespondenten - ohne sich kumpelhaft anzubiedern. Und dabei immer bedingungslos loyal gegenüber seinen Dienstherren.

Während seiner Zeit im bienenkorbhaften Verlagshaus Gruner + Jahr hat sich Kotthaus ebenfalls nur Freunde und Bewunderer geschaffen. "Fleiß, Teamgeist und eine hohes Maß an Sachkompetenz und Loyalität", bescheinigt ihm der ehemalige G+J-Sprecher Kurt Otto. Gerd Schulte-Hillen, damals G+J-Vorstandschef, hat Kotthaus in Washington kennengelernt und 1999 nach Hamburg geholt. "Er ist verbindlich, beharrlich, fleißig und durchsetzungsstark ohne die Konfrontation zu suchen", sagt Schulte-Hillen über Kotthaus und beglückwünscht sich noch heute für die gute Wahl. Bernd Kundrun, der Schulte-Hillen 2000 nachfolgte, kennt ebenfalls nur warme Worte: "Kotthaus hat durch seine rationale Art die Köpfe und durch seine sympathische Art die Herzen in Redaktion und Management gleichermaßen erobert." Neben seiner beruhigenden körperlichen Präsenz schwingt bei Familienvater Kotthaus eine unkonventionelle, fröhliche Ader und bei aller Professionalität eine gewisse Leichtigkeit mit. Damit erscheint der Spitzenbeamte, wie in einer guten Ehe, als perfekte Ergänzung zu dem unbequemen, knorrigen Schäuble.

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