Patricia Riekel: Heiße Storys, kein Schmutz
Der Verleger Hubert Burda weiß, was er an Patricia Riekel hat. Anlässlich der Weihnachtsfeier vor zwei Jahren lobte er: "Besser als Frau Riekel kann man die Bunte nicht machen." Wie groß ihr Ansehen beim Verleger ist, belegt unter anderem auch der hauseigene Chevalier-Orden, den sie im Januar aus der Hand des Verlegers erhielt. Als einzige Frau im Verlag. Damit nicht genug. Als letztens die Führungsbereiche neu geordnet wurden, rückte sie als einzige Blattmacherin in den erlauchten Kreis aus Vorstand und großen Verlagsgeschäftsführern, der sogenannten Spitzingsee-Runde, auf. Bei diesem Standing kann ihr nicht einmal die aktuelle Bunte-Affäre etwas anhaben. Offenbar genießt sie weiter die uneingeschränkte Unterstützung des Verlegers. Denn eines ist allen Mitarbeitern an der Arabellastraße klar: Ob sie steht oder fällt, entscheidet allein der Verleger.
Mit der Rückendeckung von ganz oben schafft sie es, ihr Blatt und auch sich selbst durch schwierigste Gewässer zu manövrieren. Riekel, deren Vertrag dem Vernehmen nach noch bis 2014 läuft, bezeichnet sich selbst als "working captain", als arbeitende Chefin. Sie ist die unangefochtene Alleinherrscherin; "es gilt nur ihr Wort", heißt es in der Redaktion, was regelmäßig zu Arbeitsstau Richtung Redaktionsschluss führt und bei Mitarbeitern regelrechte Hitzewallungen auslöst, wenn sie im Urlaub weilt. Da lässt sich die Chefin gern auch mal Seiten ins Hotel oder nach Hause faxen. Ihre Art, wie sie den Themen den richtigen Dreh gibt, gilt auf den Bunte-Fluren als einzigartig. Ihr journalistisches Gespür sei stark ausgeprägt, ihr Bauchgefühl legendär. "Darin kann ihr keiner das Wasser reichen", heißt es in Kollegenkreisen. Ein Beleg dafür, dass sie von der aktuellen Geschichte nichts wusste? Denn Riekel, so ist zu erfahren, quält die Kollegen regelmäßig mit Fragen nach der Seriosität der Quellen und der Validität der Informanten. Geschichten über sozialen Aufstieg, sozialen Abstieg sind ihr Ding. Sie gilt als Kompetenz des Herzens, wovon sie allwöchentlich in ihrem Editorial Zeugnis ablegt. Sie will "heiße Storys", aber keine Schmutzgeschichten, die stoßen sie eher ab. Bei so viel Lob lässt aber auch der Tadel nicht lange auf sich warten. Kritisiert wird sie intern vor allem deshalb, weil sie aus dem Ruder laufenden Reportern freie Hand lässt. Auch eine Chefredakteurin müsse sich messen lassen an den Menschen, mit denen sie sich umgibt. Bei drei Mitarbeitern zog sie im Juli die Reißleine. Der Vorwurf: Verletzung des journalistischen Ehrenkodex. Die Konsequenz: fristlose Kündigung. Jetzt sind wieder ein paar Zimmer frei bei Bunte, und vielleicht heuert "working captain" Riekel jetzt ein paar Talente an, die noch richtig hungrig nach Geschichten sind, diese einigermaßen flüssig schreiben können und dem Presserat keine Arbeit machen.
Priller-Gebhardt Redakteur







