Rupert Murdoch: Der ruhelose Visionär
"New times demand new journalism." Mit diesen Worten stellte Rupert Murdoch vor wenigen Tagen im New Yorker Guggenheim-Museum The Daily vor: die erste digitale Tageszeitung, die nur auf dem iPad zu sehen ist. Eine Zeitung, die ohne Papier, ohne Vertrieb auskommt, keine Druckkosten hat. The Daily ist für Leute, die nicht mehr Zeitung lesen, die lieber fernsehen oder im Internet surfen.
120 Redakteure arbeiten an dem bislang ehrgeizigsten Versuch, die Tageszeitung ins digitale Zeitalter zu befördern. Rund 30 Millionen Dollar hat die Entwicklung angeblich gekostet, jede Woche verschlingt das Projekt 500 000 Dollar. Doch Murdoch, Chef der von ihm gegründeten News Corporation, zu dessen weltweiten Imperium Filmproduktionsfirmen, TV-Sender, Tageszeitungen und Buchverlage gehören, kann es sich leisten. Seit das Werbegeschäft wieder brummt, sprudeln die Millionen: Der Gewinnn des Konzerns betrug allein im vergangenen Quartal 642 Millionen Dollar.
Am 11. März wird Murdoch 80 Jahre alt, sein Tempo ist immer noch atemberaubend, seine Visionen sind - im Gegensatz zu anderen Medienmanagern - klar. Niemand verfolgt beispielsweise so konsequent die Strategie, sich Content auch bezahlen zu lassen - egal ob in Print, im Fernsehen oder im Internet.
Andererseits ist Murdoch, dessen Sohn James mehr und mehr als sein Nachfolger auftritt, an Rückschläge gewohnt. Im Jahr 2005 hatte er für 580 Millionen Dollar die Web-Plattform MySpace gekauft. Jetzt will er das Netzwerk wieder loswerden, weil es unter der Übermacht von Facebook nahezu erdrückt wird. Trotz intensiver Bemühungen ist auch sein Pay-TV-Engagement in Deutschland nach wie vor ein Verlustgeschäft. Und kürzlich musste er seine Reise zum Weltwirtschaftsgipfel in Davos absagen und stattdessen nach London fliegen. Denn die Übernahme von BSkyB, dem britischen Pay-TV-Sender, droht komplizierter zu werden als angenommen.
Manche Geschäfte sind auch deshalb schwierig, weil Murdoch nicht nur Freunde hat. Immer wieder wird ihm vorgeworfen, seine Medienmacht zur Verbreitung seiner konservativen Weltanschauung zu missbrauchen. Sein Nachrichtensender Fox News liegt beispielsweise mit dem Weißen Haus in einem offenen Streit. Trotzdem aber setzt Rupert Murdoch im Medien-Business immer wieder Trends. So beobachtet die gesamte Verlagsbranche die iPad-Zeitung The Daily mit großer Aufmerksamkeit. Findet das Experiment genügend Abonnenten, dann könnte es Zeitungsverlagen den Weg weisen – hinaus aus der Welt sinkender Leserzahlen und bröckelnder Anzeigenerlöse.
van Rinsum Redakteur







