Sascha Sebastian Haenel: Weltweit live auf Sendung
Sein Lebenslauf liest sich wie der eines Wunderkinds. Mit drei Jahren bekam Sascha Sebastian Haenel seinen ersten PC. Als Teenager gewann er zweimal den Bundeswettbewerb Jugend forscht. Mit 18 gründete er eine IT-Firma, die auf die Übertragung von Videos spezialisiert ist. "Quasi nebenbei" studierte er Medizin. Heute ist der Hildesheimer 27 Jahre alt, Arzt im Praktikum und steht kurz vorm Examen. Seine Firma ITeco beschäftigt eine Handvoll Festangestellte. Ist Haenel hochbegabt? „Das weiß ich nicht, und es interessiert mich auch nicht“, sagt er.
Die Technik ist sein "täglich Brot", ein Hobby, das ihm leicht von der Hand geht. Seine neueste Entwicklung: eine Live-Streaming-Technik, die es ermöglicht, HDTV-Videos in Echtzeit über das Internet zu übertragen. "Man muss dafür nur eine Box, den Encoder, an eine Kamera anschließen und kann weltweit live auf Sendung gehen", erklärt Haenel. Er hat das Kompressionsverfahren H.264 so optimiert, dass es große Datenmengen effizient verkleinert. Zum Empfang genügt ein gewöhnlicher PC, es braucht weder spezielle Decoder noch Software.
"Je nachdem, ob man in HDTV senden will oder nur in guter Fernsehqualität, reicht das Preisspektrum von 8000 bis 30 000 Euro. Die Konkurrenz verlangt ein Vielfaches davon", so Haenel.
Die Idee kam ihm beim Studium. "Bei einer schweren Operation war es kaum möglich, übers Internet einen externen Experten zuzuschalten. Per Satellit ist das sehr teuer, über Telefonleitungen sehr langsam. Zudem brauchte der Experte einen passenden Decoder, um die Bilder empfangen zu können." Ein befreundeter Journalist erkannte, dass Haenels Technik auch für die Medien interessant ist. "Dort hat man ja ein ähnliches Problem: Wo ich live senden will, brauche ich einen Satelliten-Übertragungswagen."
Das ist nun passé. Erstmals getestet wurde Haenels Live-Streaming, als Margot Käßmann zur EKD-Ratsvorsitzenden gewählt wurde. Dann nutzte der Deutsche Landwirtschaftsverlag es für die Berichterstattung von der Fachmesse Agritechnica. Für die Vermarktung seiner Entwicklung führt Haenel bereits Gespräche mit potenziellen Partnerunternehmen. Die Technik mit der Medizin zu verbinden, kann er sich auch für seine Zukunft vorstellen. Doch in jedem Fall will er als Arzt arbeiten. "Auf den Umgang mit den Patienten würde ich nie verzichten wollen."
DIE IDEE: Mit Haenels Streaming-Verfahren kann man Videos live und in bester Fernsehqualität über Internet- oder Mobilfunkleitungen übertragen. Ein relativ kostengünstiger Encoder komprimiert die Daten derart, dass sie bereits mit 0,5 bis 1,0 Megabit pro Sekunde störungsfrei gesendet werden können. Als Laptop-Version ist das Gerät mobil einsetzbar und ermöglicht Live-Berichterstattung ohne aufwendige und kostspielige Satellitentechnik.
Kloft Redakteur







