Sebastian Turner: Nicht nur Hochdeutsch
Ob sich Petra Rühle, ihres Zeichens Kreisvorsitzende der Stuttgarter Grünen, da nicht vollkommen täuscht? "Er ist keine Gefahr für uns", sagte sie knapp, als bekannt wurde, dass Sebastian Turner als Oberbürgermeisterkandidat der CDU antritt. Vorausgesetzt, die Parteigenossen nominieren den 45-jährigen Werbeprofi und Ex-Chef der Agenturgruppe Scholz & Friends. So richtig überrascht hat die Nachricht von Turners Kandidatur nur diejenigen, die ihn nicht kennen. Wer ihn aber kennt, weiß, dass die Chancen des Wahlberliners so schlecht nicht sind. Nicht nur, weil er Urheber des Claims "Wir können alles. Außer Hochdeutsch" ist, des Herzstücks der langjährige Standortkampagne für Baden-Württemberg. Oder weil er schon während seiner Stuttgarter Schulzeit mit Projekten wie der besten Schülerzeitung Deutschlands auf sich aufmerksam machte.
Mit dem Namen Turner verbindet sich eine Erfolgsstory, die ihresgleichen sucht. Oder wie es ein Ex-Weggefährte formuliert: "Sebastian bekommt alles realisiert, was er realisieren will." Und das war in den vergangenen Jahren eine ganze Menge. Nach der Wende startete Turner gemeinsam mit Thomas Heilmann, der gerade Justizsenator in Berlin geworden ist, in Dresden eine Agentur. Sie wurde bald darauf Teil der heutigen Netzwerkagentur Scholz & Friends, deren Co-Chef er viele Jahre war. Erst Ende 2011 kehrte er der etwa 1600 Mitarbeiter großen Agentur und deren Holding Commarco endgültig den Rücken.
Trotz des S&F-Engagements fand Turner stets Zeit und Kraft für weitere Aktivitäten, half beispielsweise, die Berlin School of Creative Leadership zu gründen, und leitete vier Jahre lang den Art Directors Club Deutschland, ein Sammelbecken von rund 400 Alphatieren. Wenn es darum geht, mehrheitsfähige Konzepte zu erstellen und durchzudrücken, ist er der richtige Mann. Turner ist sicherlich Machtmensch, aber alles andere als ein Polterer. Mit Fingerspitzengefühl und einer gehörigen Portion diplomatischem Geschick ausgestattet, schafft er es, andere Leute für sich zu gewinnen. Wichtigstes Pfund dabei: sein Intellekt. Ein Kandidat fürs Feierabendbier ist er nicht. Wer richtig warm werden will mit ihm, braucht einen langen Atem, heißt es.
Auch, weil "Basti" Turner so wenig mit dem Typus des Werbers gemein hat. Er kleidet sich unauffällig, verzichtet auf exzentrische Anwandlungen, war nie Anlass für Skandale und frönt auch keinem Laster - vom Computerspiel Tetris einmal abgesehen. Weshalb er nun OB werden will? "Es ist die Chance, die Heimatstadt in einer schwierigen Lage mit Ideen zu verändern", sagt der Kandidat. Er brauche ein neues Betätigungsfeld, sagen Kollegen – und dass das erst der Anfang seiner Politikerkarriere sei.
Hammer Redakteur







