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Stefan Groß-Selbeck: Der Networker

Stefan Groß-Selbeck: Der Networker

veröffentlicht am 10.06.2011 um 10:10 Uhr · Köpfe · Artikel

Es ist die größte Veränderung an dem Geschäfts-Netzwerk Xing, seit Stefan Groß-Selbeck dort die Fäden in der Hand hält. Anfang 2009 hatte er den Job des Vorstandsvorsitzenden übernommen, nachdem der Xing-Gründer und damalige CEO Lars Hinrichs völlig überraschend seinen Posten niedergelegt hatte. Nun also wird die Handschrift des 43-jährigen Vorstandsvorsitzenden bei der Business-Plattform sichtbar. Am vergangenen Dienstag startete Xing mit einer komplett überarbeiteten Informationsarchitektur. Struktur und Design wurden vereinfacht, die Kontakte des Nutzers stehen wieder im Mittelpunkt des Dienstes. Es sei dies der größte Schritt seit Jahren, sagt Groß-Selbeck. "Wir haben Xing grundlegend umgebaut."

Rund 4,7 Millionen Nutzer hat Xing im deutschsprachigen Raum, die gilt es angesichts anderer digitaler und mobiler Angebote zu halten oder besser noch auszubauen. Stefan Groß-Selbeck, der im Netzwerk einen Aktivitätsindex von vorbildlichen 100 Prozent aufweist und über knapp 1600 bestätigte Kontakte verfügt, sieht dabei Facebook nicht unbedingt als Konkurrenten. Dort finde private Kommunikation statt. Xing ist für ihn dagegen die erste Adresse bei beruflichen Kontakten. Groß-Selbeck, gebürtiger Kieler, weiß, wie wichtig Kontakte sind. Er war an der französischen Eliteschule Insead in Fontainebleau, wo er sein MBA-Studium abschloss. Deren Absolventen verfügen auch nach Jahrzehnten noch über ein funktionierendes globales Ehemaligen-Netzwerk. Danach arbeitete er bei Boston-Consulting, auch deren Berater sind aktive Networker. Dem Handelsblatt gegenüber sagte er einmal: "Wenn sich ein Insead-Absolvent oder ein BCGler bei mir meldet, kommt er immer durch."

Handfeste Vorteile kann daraus aber niemand ableiten. Groß-Selbeck gilt als geradliniger, bescheiden auftretender Manager, der eher das norddeutsche Understatement pflegt. Vielleicht verlief auch deshalb seine Karriere bisher ohne Brüche. Von Boston Consulting wechselte er zum Medienkonzern des Leo Kirch, wo er für Marken und Finanzen zuständig war. Kurz vor dem Zusammenbruch der Gruppe erhielt er ein Angebot von eBay. Er wurde Geschäftsführer Marketing und Vertrieb, wechselte dann ins Büro nach Schanghai und wurde anschließend zum eBay-Chef Deutschland befördert. Dann aber verlor er den Machtkampf mit der US-Zentrale in San Jose. Groß-Selbeck musste Stellen streichen, Kompetenzen abgeben und letztendlich dabei mitwirken, wie sein eigener Geltungsbereich nach und nach an Bedeutung verlor. Der Wechsel zu Xing im Januar 2009 war deshalb für viele wenig überraschend. Denn Groß-Selbeck mag vielleicht bescheiden sein. Er ist aber auch ehrgeizig und konsequent.

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