Stefan Preussler: Mister RMS geht
Die Intensität der Personalrochaden innerhalb der Kommunikationsbranche ist derzeit vielleicht noch mit der Fußball-Bundesliga vergleichbar. Auch dort ist gerade heiße Phase, Trainer werden geschasst, neue verpflichtet. Manche Wechsel sind nachvollziehbar, andere fragwürdig.
So auch im Medien-Business. Eine der erstaunlichsten Personalien dieser Tage ist dort der Abschied Stefan Preusslers von der RMS. Ende Juni wird er den Audiovermarkter verlassen – auf eigenen Wunsch, wie es so schön heißt, wenn zwei Seiten sich geeinigt haben und keiner dem anderen weitere Steine in den Weg legen will. Dabei hätte Preussler gerne weitergearbeitet bei der RMS. Er hatte sich um den Posten des Geschäftsführers Verkauf beworben. Seine Gesellschafter hatten dann aber Alexander Sempf verpflichtet, einen Printexperten, und sich gegen Preussler, den langjährigen Radiofachmann entscheiden. Schon mehrmals waren die RMS-Gesellschafter durch ihre schwer nachvollziehbaren Entscheidungen aufgefallen. Dass der eigene Laden aber Preussler den Posten nicht zutraut, verblüfft sogar abgebrühte Agenturchefs.
Der Hamburger Radiovermarkter verliert damit gewissermaßen seinen Mister RMS. Seit 1997 war er 47-Jährige in dem Unternehmen tätig, erst war er für die Kommunikation zuständig, dann für Business Development und Sonderwerbeformen, er wurde Stellvertretender Verkaufsdirektor, Marketingdirektor und – im April 2006 – Verkaufsdirektor. Preussler prägte das operative Geschäft unter Geschäftsführern wie Lutz Kuckuck, Wilfried Sorge und Andreas Fuhlisch. Als letzterer wegen Querelen mit den RMS-Gesellschaftern entnervt aufgab, hielt Preussler wie so oft, wenn es eng wurde, den Laden zusammen. An der Seite des langjährigen kaufmännischen Geschäftsführers Robert Limper hielt er den Kontakt zu den Kunden, präsentierte auf dem Radioday in Köln, wertete die etwas in die Jahre gekommene Ramses-Preisverleihung auf, indem er das Konzept änderte und die Veranstaltung nach Düsseldorf verlegte. Auch in aufreibenden Momenten erlebte man ihn selten einsilbig, stets gewann er auch schwierigen Situationen eine humorige Seite ab.
Künftig will sich Preussler etwas mehr um seine Familie kümmern, im September wird er heiraten. Im Herbst will er sich dann neu orientieren, möglicherweise kehrt er der Medienbranche den Rücken. Kompetente Verkäufer werden auch anderswo gesucht. Und dann wäre da noch das Projekt Hamburger SV. Preussler ist überzeugter HSV-Fan, kandidierte im Januar sorgar für den Aufsichtsrat, wurde aber nicht gewählt. Im Gegensatz zu der Entscheidung der RMS-Gesellschafter war diese Nicht-Wahl aber vorhersehbar.
van Rinsum Redakteur







