Sven-Olof Reimers: Mann für viele Fälle
Er meidet die Öffentlichkeit wie einst der Verleger Heinz Bauer: Sven-Olof Reimers gibt selten Interviews, in der Hamburger Gesellschaft lässt er sich kaum blicken. Auch Fotos des Verlagsmanagers mit dem akkurat kurzgeschnittenen Haaren und der schmalen Statur sind gezählt. Wagt sich aber die Bauer-Familie ins Blitzlichtgewitter der Journalisten, fehlt er meist nicht – so beispielsweise bei der letzten Verleihung der „Goldenen Feder“ 2009. Etwas verloren, fast wie ein Außenseiter, wirkte er da an der Seite von Gundrun Bauer, Ehefrau des Verlagspatriarchen Heinz.
Doch Reimers ist schon lange kein Außenseiter mehr in der elitären Hamburger Familiendynastie. Verheiratet seit 2003 mit Mirja Bauer, der ältesten von vier Töchtern der Bauer-Familie, ist der Schwiegersohn fester Bestandteil im Kreise des millionenschweren Verleger-Clans.
Seither bekommt der studierte Rechtswissenschaftler immer mehr Aufgaben und damit Macht im bunten Reich zwischen Programm-, Jugend- und Frauenzeitschriften. Neuester Höhepunkt: Der Jurist mit Studienschwerpunkt Kommunikations- und Medienrecht springt als eine Art Feuerwehrmann in die Bresche und übernimmt die Geschäftsführung der Bauer München Redaktions GmbH, in dem das Printhaus die gesamte "Bravo"-Zeitschriftenfamilie konzentriert hat. Der 41-Jährige folgt auf den 47-jährigen Axel Bogocz, der überraschend und angeblich auf eigenen Wunsch das Unternehmen nach mehr als zehn Jahren verlässt. Reimers soll den Posten zwar kommissarisch innehalten, bis die neue Geschäftsführung benannt wird. Am Ende könnte er aber die "Bravo"-Gruppe alleine führen, die zu einem wichtigen Umsatzträger im Konzern gehören dürfte, heißt es in Branchenkreisen.
Damit würde Reimers geschäftlich zunehmend unverzichtbar für den Verlag. Bereits jetzt ist der Manager Chef der Bauer Living GmbH, jener Verlagseinheit, in der die Food-, Wohn-, Garten- und Do-it-Yourself-Titel zusammengefasst sind. Noch wichtiger für den Hamburger Großverlag ist hingegen sein Posten als Online-Chef. Denn der Medienriese will die Digitalsparte künftig weiter ausbauen, um vom Anzeigengeschäft in dem stark wachsenden Segment zu profitieren.
Fraglich ist, welche Rolle Reimers langfristig im Familienimperium spielt. Möglicherweise bekommt der ehemalige Springer-Mann noch mehr Einfluss, um Seite an Seite mit der Verlagserbin Yvonne Bauer die Geschicke des traditionsreichen Hauses an der Spitze zu führen. Damit würde Reimers künftig aber stärker im Rampenlicht stehen. Ob er dann seine Öffentlichkeitsscheu ablegt, bleibt abzuwarten.
Lipinski Redakteur







