Thomas Strerath: Brillant und streitlustig
Zu den Selbstdarstelllern und Dampfplauderern der Zunft zählt er nicht, der amtierende CEO von Ogilvy in Deutschland. Aber das hat Thomas Strerath auch nicht nötig. Ihm gelang schließlich, was nur wenige für möglich hielten: 2009 löste er Lothar Leonhard ab, der die Frankfurter Agenturgruppe fast 20 Jahre geführt und geprägt hatte. Ogilvy, das war automatisch auch Leonhard. Doch der Wechsel an der Spitze der Network-Agentur vollzog sich ohne große Nebengeräusche. Und: Unter Strerath forcierte die Agentur früher als andere die Verbindung von Online- und Offline-Kommunikation und schuf die dafür notwendigen Strukturen.
Leonhard, der noch immer sein Büro gegenüber von Strerath hat, schätzt den analytischen Geist seines Nachfolgers. Frank Merkel, Chef der Viernheimer Agentur WOB, hält seinen Ex-Kollegen Strerath gar "für einen der brillantesten Köpfe" der Branche, "extrem korrekt" und "fair". Was aber nicht heißen soll, dass er Kontroversen scheut und Konflikten aus dem Weg geht. Als vor gut zwei Jahren heftig über das schlechte Standing der Agenturen gegenüber Auftraggebern diskutiert wurde, gab Strerath seiner Branche Mitschuld am Status quo. Früher hätten Werber den Kunden wie einen Hund behandelt, so der streitlustige Agenturchef damals, und so viel Glaubwürdigkeit verspielt. Für Gesprächsstoff sorgte auch Streraths Abgesang der jahrelang gehypten 360-Grad-Kommunikation vor wenigen Monaten. Obwohl selbst Chef einer Network-Agentur, räumte er unlängst in einem Streitgespräch in W&V offen ein, dass in den vergangenen Jahren auf Network-Seite viele Fehler gemacht worden sind.
Doch woher kommt Thomas Strerath, der diese Tage mit seinem Frankfurter Team den bislang wichtigsten Pitch des Jahres für sich entscheiden konnte und Media-Markt als Kunden gewonnen hat? 1966 in Neuss geboren, machte sich Strerath 1992 mit seiner eigenen Agentur Vogelsang Strerath selbstständig. Als CD bei der damaligen Freemantle lernte er das Produktions- und Entertainment-Geschäft kennen. Um endlich eine "anständige" Agenturausbildung zu bekommen, heuerte er 1999 als Senior Kundenberater bei der Business-to-Business-Agentur WOB an. Und machte Karriere. Sechs Jahre später ging der WOB-COO und Vorstandssprecher als Geschäftsführer zur Dialogmarketing-Agentur OgilvyOne Worldwide nach Frankfurt. Schon damals pendelte Strerath, der Familie und Kinder in München hat, zwischen Bayern und Hessen hin und her. Doch schon bald werden die Streraths umziehen. Nicht nach Frankfurt oder nach Düsseldorf, dem zweiten wichtigen Ogilvy-Standort. Es geht nach Köln. Dann ist der 45 Jahre alte Manager beiden Büros in etwa gleich nah und fern. Eine korrekte Entscheidung eben.
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