Traum und Chance
Mit ihren 31 Jahren ist sie schon richtig alt – zumindest in der Wahrnehmung von 15- oder 16-Jährigen. Katja Eismann-Erler stört das nicht. "Für die Jugendlichen bin ich eine Oma", erzählt die Marketingleiterin der Streetwear-Marke Eastpak. Und meint damit ihre 25 vorläufigen "Mitarbeiter" im Alter zwischen 14 und 24 Jahren, die auf der Mercedes-Benz Fashion Week vor wenigen Tagen die Show der Marke geschmissen haben.
Dass die Kids aus dem Sozialprojekt des Berliner Streetwork-Vereins Gangway plötzlich auf einem Lauftsteg stolzieren, haben sie Eismann-Erler zu verdanken. Die erste Eastpak-Präsentation auf dem Mode-Event in der Hauptstadt gefiel ihr nicht. "Die Models fand ich so künstlich und artifiziell, überhaupt nicht authentisch", bemängelte sie und dachte sich: "Das passt nicht zur Marke."
Auf der Suche nach Alternativen kam Eismann-Erler auf die Idee, Jugendliche einzusetzen, für die der ganze Modezirkus eigentlich nur ein Traum ist. Und die vor allem eines sehr schwer kriegen: eine Chance. "Wir alle wollten doch mal Rockstar oder Model werden", erinnert sich Eismann-Erler.
Die Wahlberlinerin selbst hat zwar auch nicht eine Karriere als Laufsteg-Schönheit oder Sängerin gemacht. Aber: "Ich hatte Förderer im Leben, die an mich geglaubt haben." Dazu zählt sie ihren Vorgesetzten während ihrer Ausbildung in der IT-Branche.
Oder Boris Rogosch, der bei Warner Music/Eastwest Records über Jahre etliche Marketing-Positionen inne hatte. "Ohne jegliche Vorerfahrung stellte er mich Anfang 2000 als Junior Product Manager bei Eastwest Records ein", so Eismann-Erler. Dem Musik-Business blieb sie jahrelang treu. Ein Höhepunkt ihrer Laufbahn beim Label: beim Nena-Comeback dabei zu sein.
Bis sie Ende 2007 in die Welt der nicht-authentischen Models wechselte. Allerdings anscheinend keine so große Umstellung: "Die Mode- und Musikbranche haben wahnsinnig viel gemeinsam", so Eismann-Erler.
Die Idee: Anfang Juli stemmten zahlreiche Jugendliche die Show der Streetwear-Marke Eastpak auf der Mercedes-Benz Fashion-Week in Berlin. Die 14- bis 24-Jährigen aus sogenannten sozialen Brennpunkten zeigten sich auf dem Laufsteg und organisierten auch mit. Unterstützt wurden sie von Profis.
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