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Uwe Vorkötter: Der kühle Hartnäckige

Uwe Vorkötter: Der kühle Hartnäckige

veröffentlicht am 08.04.2011 um 10:18 Uhr · Köpfe · Artikel

Kürzlich erlebte die Redaktion der "Berliner Zeitung" ihren Chefredakteur Uwe Vorkötter in einem ungewöhnlichen Anflug von Heftigkeit. Auf der Betriebsversammlung war es um die Umwälzungen gegangen, die der Redaktion bevorstehen, weil sie bald auch den Mantel der "Frankfurter Rundschau" mit produzieren muss. Eine Kollegin hatte gefragt, wieso man bei der "FR" "nicht gleich das Licht ausknipse", wo es doch offenbar nur ein Tod auf Raten sei. Wie Vorkötter da den Rettungsversuch für das Traditionsblatt aus Frankfurt verteidigte, sei geradezu ­leidenschaftlich gewesen, heißt es in der Redaktion.

Das ist bemerkenswert, weil Heißblütigkeit eigentlich nicht Vorkötters Sache ist. Der promovierte Volkswirt mag es lieber zurückhaltend, er pflegt im Umgang mit der Redaktion den sachlichen und fachlichen Dialog und bleibt dabei immer verbindlich. Aus der freundlichen Art des 57-Jährigen eine gewisse Nachgiebigkeit herauslesen zu wollen, wäre aber grundfalsch: Vorkötter setzt hartnäckig und beharrlich das durch, was er für richtig und wichtig hält. Er sei "schwer zu überzeugen von Dingen, die er nicht überzeugend findet", sagt eine Redakteurin. Ein Ressortleiter hat Vorkötter einmal als Marathonläufer bezeichnet - einen, der immer noch läuft, wenn alle anderen schon aufgegeben haben.

Zielstrebig und ausdauernd verfolgte der gebürtige Bochumer von Anfang an auch seine Karriere. 1980 begann Vorkötter als Wirtschaftsredakteur bei der "Stuttgarter Zeitung". Zwei Jahre später war er Korrespondent in Brüssel. 1985, mit gerade 30 Jahren, wurde er dort Wirtschaftsressortleiter, später Chef des Bonner Büros und 1995 schließlich Chefredakteur. Dort in Routine alt zu werden, entsprach nicht Vorkötters ehrgeizigen Vorstellungen. 2002 holte ihn der damalige Geschäftsführer Torsten-Jörn Klein an die Spitze der "Berliner Zeitung". Als sich herausstellte, mit welchen Vorstellungen der Finanzinvestor David Montgomery das Blatt kaufen und auspressen wollte, bezog Vorkötter unmissverständlich und öffentlich Position - gegen den anrückenden Chef.

Zum Schaden geriet ihm das nicht. Die SPD-Holding DDVG holte den Journalisten auch wegen seines wirtschaftlichen Sachverstands wenig später an die Spitze der angeschlagenen "FR", die später wie die "Berliner Zeitung" von M.DuMont Schauberg gekauft wurde. Vorkötter ging, nahm einige Top-Redakteure mit und hinterließ eine enttäuschte Rumpfmannschaft. In Frankfurt profilierte sich Vorkötter auch als Sanierer – ohne redaktionelle Ansprüche aus den Augen zu verlieren. Vergangenes Jahr kam er nach Berlin zurück. Schon damals kursierten Pläne, beide Zeitungen redaktionell enger zu verzahnen. Sie wurden Vorkötter zugeschrieben – es scheint als habe sich der Marathonmann mal wieder durchgesetzt.

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