Volker Nickel: Mission freier Wettbewerb
Der Gremienarbeit in riesigen Verbänden haftet ja gemeinhin viel Zähes und wenig Spritziges an. Umso erstaunlicher ist es, dass der riesige Zentralverband der Werbewirtschaft (ZAW) mit seinen 40 Mitgliederverbänden aus werbenden Unternehmen, Medien und Agenturen einen außergewöhnlich lebendigen Menschen als Kommunikator und Cheflobbyisten hat.
Volker Nickel präsentiert am heutigen Donnerstag die Bilanz des Deutschen Werberats: Wie immer packt er mit jugendlichem Elan die Themen der Branche an und zeigt dabei ganz offenbar nicht die geringsten Ermüdungserscheinungen. Für alle, die das nicht für möglich halten, sei hier noch mal gesagt: Volker Nickel ist im Januar 68 Jahre alt geworden, 40 Jahre seines Berufslebens hat der gebürtige Breslauer beim ZAW verbracht, wo der Kampf für Werbefreiheit in der sozialen Marktwirtschaft für ihn nicht nur ein Job war, sondern zur Berufung wurde.
1969 war Nickel von Berlin nach Bonn gezogen und wurde dort Pressesprecher der nationalen Agrarmarketingorganisation CMA. Schon 1972 holte der damalige ZAW-Hauptgeschäftsführer Horst Schneider den Journalisten Nickel zu den Werbern. In diesen Jahren tobte eine gesellschaftlich-politische Debatte über die Verführer in der Werbung. Es gab Tendenzen, die Freiheit der Werbung einzuschränken. Für Nickel war Werbung dagegen immer Information, die nötig war, um zwischen mehreren Angeboten frei wählen zu können, keinesfalls Manipulation. "Es ging darum, den Staat so weit wie möglich entbehrlich zu halten, auch aus der Nazi-Erfahrung heraus", beschreibt Volker Nickel den Auftrag, der ihm zur Mission wurde. Das Selbstkontrollorgan Deutscher Werberat, das nächsten Herbst 40-jähriges Bestehen feiert, entstand in dieser politisch heißen Phase.
VDZ-Präsident Wolfgang Fürstner kennt Nickel aus den Bonner Jahren und sagt: "Volker Nickel ist ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Marktwirtschaft. Er ist der Vertreter einer Generation, die die Aufbaujahre der Bundesrepublik und die Marktwirtschaft als beste Form gesellschaftspolitischen Handels erlebt hat." Das hat Pathos. Und es erklärt, weswegen es Nickel trotz diverser Angebote aus Unternehmen immer bei seinem Thema gehalten hat.
Noch wichtiger ist dem Vater zweier Töchter aber seine Familie. Damit die ihn "nicht nur von hinten sieht", steht Nickel früh auf, arbeitet akribisch und zuweilen perfektionistisch, um möglichst rechtzeitig am Abend wieder Zeit für seine Lieben zu haben. Ans Aufhören denkt der geborene Kommunikator dennoch nicht: "Nach 40 Jahren Werberat ruhe ich in mir, da muss ich mich nicht zur Ruhe setzen", sagt er und lacht.
Pfannenmüller Redakteur







